Baum, Arnold & Leopold

Foto: Staatsarchiv Freiburg

Arnold Baum

Arnold Baum wurde am 13.10.1889 in Offenburg geboren, sein Bruder Leopold am 3.5.1884 in Nonnenweier. Arnold besuchte in Offenburg das Gymnasium bis zur Obersekunda und trat dann in eine kaufmännische Lehre ein bei seinem Onkel, dem Zigarettenfabrikanten Adolf Kahn. Dort arbeitete er bis zum Ausbruch des Krieges 1914. Während seiner Militärzeit als Einjährig-Freiwilliger diente er 1908-1909 im Infanterieregiment 170 in Offenburg. Gleich nach dem Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 rückte er als Offiziersaspirant und Offiziers-Stellvertreter (Feldwebel) ein. Nach Kriegsende übernahm er zusammen mit seinem Bruder Leopold die Firma Gebrüder Grimm, eine Offenburger Zigarrenfabrik mit Nebenbetrieben in Hofweier, Schutterzell und Ichenheim. In der Weltwirtschaftskrise 1929 geriet das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten, nicht nur aufgrund der katastrophalen Wirtschaftslage, sondern auch, weil ein Angestellter Geld unterschlagen hatte. Deshalb musste die Firma Anfang 1930 Konkurs anmelden. Arnold Baum arbeitete in der Folge als Importeur und Großhändler und erzielte überdurchschnittliche Einkünfte. Er konnte sich in Offenburg eine 6-Zimmer-Wohnung leisten und ein Dienstmädchen.

Der ehemalige Zigarrenfabrikant muss, vermutlich verstärkt durch seine Eindrücke während seiner Geschäftsreisen, sehr schnell begriffen haben, dass es den Juden in Nazideutschland bald schlimm ergehen werde. So floh er bereits im Herbst 1933 mit seiner Familie, seiner Frau Lilly und seinem 1924 geborenen Sohn Hans, nach Paris. Hier fand er jedoch keine Arbeit und hielt sich über Wasser, indem er Gegenstände aus dem Familienbesitz verkaufte. Am 16. Juli 1942 wurde die ganze Familie verhaftet und in das Sammellager Drancy geschickt. Sohn und Frau starben dort wenige Zeit später, während er ins KZ Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde.

Mehr Glück hatte sein Bruder Leopold. Wie auch sein Bruder arbeitete er nach dem Niedergang der Firma als Handelsvertreter für Zigarren. Er blieb mit seiner Familie, d.h. seiner Frau Erna (Baum-Harburger) und seinen beiden Söhnen Heinz, geboren 1923 und Fritz, geboren 1925, in Offenburg in der Weingartenstraße 53 wohnen. Wie sein Bruder war auch er wohlhabend, verlor jedoch Ende 1936 seine Arbeit, da niemand mehr etwas von Juden kaufen wollte geschweige denn konnte. Zusammen mit seiner Familie gelang es ihm,  ins Fürstentum Liechtenstein überzusiedeln, wo sie vor den Nachstellungen durch die Nazis sicher waren. Möglicherweise konnte sich die Familie in dieses für verfolgte Juden eher ungewöhnliche Fluchtland retten, weil Leopolds Frau im Thurgau geboren war und bis zur Heirat Schweizer Staatsangehörige gewesen war. Hier hielt sich die Familie mit der Herstellung von Kokosmatten über Wasser, wobei alle mitarbeiteten.

Fabian Suhm
Gedenkbuch im Salmen (Offenburg), 2014/15

Wertheimer, Simon

Foto: Staatsarchiv FreiburgSimon Wertheimer wurde am 23. Dezember 1867 in Durbach als Sohn von Ferdinand Wertheimer, welcher als Handelsmann tätig war, und Hannchen, geb. Levi, geboren. Die Familie zog später nach Ohlsbach in die Hindenburgerstraße 213 um. Schon früh lernte Simon seine spätere Frau Henriette Koch kennen, welche Nichtjüdin und zehn Jahre jünger war als er (geb. am 2.5.1877). Im Alter von 21 Jahren bekam sie am 10. April 1899 ihr einziges Kind William. Simon, der den Beruf des Kaufmannes erlernt hatte, arbeitete ab 1907 erfolgreich als „Erster Reisender für deutsche Geschäfte“ für die Firma „Vauen Vereinigte Pfeifenfabriken Adolf Eckert K.G.“.

Mitte 1935 erhielt er dennoch zusammen mit anderen jüdischen Arbeitern der Firma ein Entlassungsschreiben. Somit leistete Vauen den Anweisungen des nationalsozialistischen Staates Folge, alle jüdischen Mitarbeiter zu entlassen. Trotz fleißiger Bemühungen konnte Simon keine Arbeitsstelle mehr finden. Daraufhin zog er am 16. März 1936 zusammen mit seiner Familie von Ohlsbach nach Offenburg in die Gaswerkstraße 10 um, im November in die Lange Straße 56.

Simon Wertheimer wurde am 10. November 1938 zusammen mit allen anderen männlichen Juden aus Offenburg von der Gestapo festgenommen und in das Konzentrationslager Dachau verfrachtet. Dort wurde er für insgesamt 15 Tage bei winterlichen Temperaturen festgehalten.

Seine Frau Henriette Wertheimer begann 1940, die kranken und alten jüdischen Bürger im ganzen Amtsbezirk Offenburg zu betreuen und zu pflegen, Simon schloss sich ihr an. Die Familie zog im April 1940 in die Prädikaturstraße 6 um. Knapp ein Jahr später zogen sie in die nahe gelegene Okenstraße 3 um, in der sich die Familie sehr wohl fühlte.

Bei diesen beiden Häusern handelte es sich um sogenannte „Judenhäuser“, in die die Familie zwangsweise umziehen musste. Da Simon Wertheimer in einer „Mischehe“ lebte, was in der Nazisprache bedeutete, dass er mit einer Nichtjüdin verheiratet war, blieb ihm die Deportation aller badischen Juden am 22. Oktober 1940 nach Gurs erspart. Am 25. Mai 1944 erlag Henriette einer Erkrankung, da sie wegen ihrer Ehe mit einem jüdischen Mann nicht in das Krankenhaus aufgenommen wurde. Einen Tag zuvor noch musste die Familie auf Geheiß des Bürgermeisters erneut umziehen, in eine feuchte und kalte Wohnung im ehemaligen Synagogenkomplex in der Langen Straße 52. Ihnen wurde ein eichenes Büfett von der Offenburger Gestapo entwendet und gegen ihren Willen für einen deutlich unter dem Wert liegenden Preis verkauft.

1946 wanderte Simon zusammen mit seinem Sohn William nach Chicago in die USA aus. Ohne Einkommen schlugen sich die beiden durch und kamen schließlich am 1. Januar 1947 dort an. Die Familie schaffte es, finanziell wieder auf die Beine zu kommen, weil Simon von 1947 bis 1949 eine Arbeitsstelle bei einer Firma Hillman fand. 1951 zogen Vater und Sohn innerhalb Chicagos um.

Simon setzte nun alles daran, eine Entschädigung für das erlittene Unrecht zu erhalten. Er heuerte den Offenburger Anwalt Oskar Geck an, seine Anträge auf Wiedergutmachung wurden jedoch mehrfach von der Landesjustizverwaltung Baden-Württemberg abgelehnt. Erst am 13. Juli 1956 erhielt er eine einmalige  Kapitalentschädigung in Höhe von 2691 DM und eine lebenslängliche Rente in Höhe von 100 DM im Monat, die er rückwirkend ab dem 1. November 1953 erhielt. Leider hatte Simon Wertheimer nicht mehr lange etwas von seiner hart errungenen Entschädigung, da er etwa drei Monate später, am 6. Oktober 1956 von einem Kraftwagen angefahren wurde und einige Stunden später im Krankenhaus seinen Verletzungen erlag. Dem einzigen Erben, seinem Sohn William Wertheimer, wurde das Geld zugesprochen.

 
Maximilian Weinreich
Gedenkbuch im Salmen (Offenburg), Winter 2012/13

Bloch, Werner (Warren)

Foto: Privatbesitz

Bloch Hans und Werner (rechts)

Werner Bloch wurde am 19. September 1920 als zweiter Sohn von Isidor und Elsa Bloch in Offenburg geboren. Sein älterer Bruder Hans Bloch ist am 1. Juli 1917 zur Welt gekommen und starb am 19. März 1971.

Werners Kindheit war bis zur Machtübertragung an die NSDAP am 30. Januar 1933 normal und unbeschwert. Er zog mit seiner Familie im Jahr  1928 von der Friedrichstraße 7 in die Augustastraße 3 in Offenburg um. Werner besuchte zunächst  die Volksschule in Offenburg und wechselte im April 1931 auf das Gymnasium.  Nach dem 30. Januar 1933 mieden ihn alle nichtjüdischen Kinder. In der Klasse des Gymnasiums, das er bis März 1935 besuchte, war er vollständig isoliert. Aus Trotz ließ er auf dem Klassenfoto seine Hände in den Hosentaschen.

Werner besuchte ab dem 24. April 1935 die Handelsschule in Offenburg und begann dort eine kaufmännische Lehre. Bis zu seiner Auswanderung in die USA war er mit Hans in einer jüdischen Sportgemeinschaft. Laut dem Trainer sollen sie stets gemeinschaftsfähig und vorbildlich gewesen sein.

Im April 1936 beantragte Werner Bloch einen Reisepass zur Auswanderung nach Amerika und gab noch keinen genauen Niederlassungsort an. Am 19. Juli 1936 reisten dann beide Brüder nach Paris, wo sie einen Tag verbrachten und mit Hilfe ihres Onkels Levy aus Straßburg weiter zum Schiff in Cherbourg reisten. Am 7. September 1936  kamen sie in New York an und reisten weiter nach Pittsburgh, Pennsylvania, wo sie neun Monate bis zur Ankunft ihrer Eltern bei Verwandten (Cousins der Mutter) wohnten. Sie hatten zwar auch Verwandte in New York, für Auswanderer war es dort jedoch schwieriger als in Pittsburgh. Die Eltern reisten im April 1937 nach Pittsburgh. Werner kam mit 15 Jahren in Amerika an und konnte ab 1939 eine Dauerstelle mit kleinem Einkommen als Buchprüfer und Steuerberater annehmen. 1941 bewarb er sich um die amerikanische Staats-angehörigkeit. Weil man ihn nach dem Kriegseintritt der Amerikaner als feindlichen Ausländer einstufte, wurde sie ihm nicht zuerkannt.

Werner wollte zur US Army, vor allem, um Hitlerdeutschland besiegen zu helfen. Seine Bewerbung für die Navy wurde dort nicht akzeptiert, da weder er noch seine Eltern oder Großeltern in den USA geboren worden waren. 1942  wurde er dann doch eingezogen, als die frühere Staatsangehörigkeit wegen des Krieges zweitrangig wurde.

Nach einem Jahr in der Army wurde er amerikanischer Staatsbürger und ließ seinen Namen in „Warren“ ändern.  Sein Kommandeur, Major Graves, mit dem er sich gut verstand, machte ihn zum Sergeant und Warren kam zum 820th Aircraft Batallion. 1944 wurde seine Einheit aufgelöst und die Männer ins Ausland zum „Fußvolk“ geschickt.  Auf Grund mangelnden Trainings wurde er aber in die Sanitätsgruppe geschickt. Dadurch kam er Anfang 1945 wieder nach Europa, nach Frankreich, Belgien und Norddeutschland. Als American GI in Deutschland zu sein, erfüllte ihn mit Stolz. Im Frühjahr  1946 wurde er auf eigenen Wunsch ausgemustert.

Nachdem er aus der Armee ausgeschieden war, arbeitete er wieder für eine Möbelgeschäftskette als Buchführer. Am „Robert Morris Business College“ bildete er sich zum Certificated Public Accountant (CPA/ Buchprüfer) fort. Nach 25 Jahren verließ er die Firma und baute eine eigene Buchhaltungsfirma auf. Mit 84 Jahren ging er in Rente.

Warren heiratete am 9. Februar 1947 Edith Fleischmann aus Augsburg und bekam mit ihr drei Kinder: Diane (später verheiratete Furst), Alan und William. Edith starb am 2. Januar 1975 nach einer längeren Krankheit. Seine zweite Frau war Freda Steinberg, die 1992 starb. Jetzt ist er mit Stella Markowitz verheiratet, sie feierten kürzlich den zwanzigsten Hochzeitstag.

Warren Bloch bekam von Deutschland 5000 DM Entschädigung zugesprochen, weil er seine Ausbildung nicht beenden konnte. 1988 besuchte er Offenburg zusammen mit vielen anderen ehemaligen Offenburger Juden. Anlässlich des 55. Jahrestags der nationalsozialistischen Machtergreifung lud der Offenburger Bürgermeister dazu ein. Warren genoss es, Offenburg und einige seiner Freunde wieder zu sehen.

Mein großer Dank geht an die Nachkommen von Warren Bloch, besonders an Diane Furst, die mir mit ihren Informationen und E-Mails sehr geholfen hat.

Evelyn Koch
Gedenkbuch im Salmen (Offenburg), 2012/13

Meyer, Walter Max

Walter Max Meyer wurde am 7. September 1915 in Groß Steinheim (Hessen) als Sohn von Marie und August Meyer geboren. Er wuchs mit seiner älteren Schwester Ruth auf, welche am 22. März 1913 auf die Welt kam. Im Laufe seiner Kindheit zog die vierköpfige Familie nach Ettenheim und später, als Walter Max Meyer fünf Jahre alt war, nach Offenburg, wo sie wiederum öfters ihren Wohnsitz wechselten.

Walter Max Meyer besuchte bis zu seinem „Einjährigen“ (Abschluss des zehnten Schuljahrs) die Oberrealschule in Offenburg, das heutige Schiller-Gymnasium. Er wollte anschließend Medizin studieren, was ihm aber verwehrt wurde, da die Nationalsozialisten Juden das Studieren verboten hatten. Deshalb absolvierte er von 1933 – 1934 eine Lehre bei der „Adolf Spinner GmbH Kolonialwaren en Gros“ in Offenburg (heute befindet sich in dem Gebäude unter anderem das Geschäft Butlers). Anschließend ging er nach München, um eine Stellung als reisender Kaufmann für die jüdische Firma Glasgesellschaft GmbH wahrzunehmen. Seinen Arbeitsplatz musste Walter Max Meyer aber drei Jahre später aufgeben, da man in Deutschland keine Produkte mehr von jüdischen Unternehmen kaufen durfte. Daraufhin kehrte er nach Offenburg zurück, von wo aus er im Mai 1938 mit seiner Familie nach Heidelberg übersiedelte. Für Walter Max Meyer war es unmöglich, in Deutschland noch eine Arbeitsstelle zu bekommen; er durfte als Jude keinen Job mehr annehmen.

Am 10. November 1938, dem Tag nach der Reichspogromnacht, wurde er mit ca. 150 anderen Männern aus Heidelberg nach Dachau abtransportiert, von wo er wahrscheinlich Mitte Dezember freigelassen wurde. Walter Max Meyer kehrte zurück nach Heidelberg und blieb dort bis April 1939. Am 12.04.1939 reiste er von Heidelberg per Bahn in den Osten Deutschlands und gelangte dann mit einem Schiff nach Dover in Südengland. Mit der Bahn fuhr er nach Sandwich, wo er längere Zeit ohne Bezahlung in einem Internierungslager, dem Kitchener Camp, arbeitete, um es bewohnbar zu machen. Dieses Camp war eine Zwischenstation für Personen (überwiegend Juden), die darauf warteten, in ein anderes Land auswandern zu dürfen. Im Dezember desselben Jahres reiste Walter von Southampton per Holland-Amerika-Linie mit dem Schiff S.S Volendam, welches zu dieser Zeit als Transportschiff eingesetzt wurde, in die USA. Da Walter Max Meyer seine Ausbildung nicht abschließen konnte, musste er sich mit diversen Tätigkeiten, wie zum Beispiel Nachtwächter in einer Whiskeydestillerie, „über Wasser“ halten. Von 1941 – 1945 diente er der US-Army. Der Versuch, sich selbstständig zu machen, scheiterte, und somit nahm er eine Stelle als Reisender für die Firma Frozen Foods war. Diese Arbeit brachte ihm aber nicht viel Geld ein, weshalb Walter Max mit seiner Frau Irmgard, die er am 3. März 1951 heiratete, und ihren zwei Kindern in einer Wohnung für Menschen mit geringem Einkommen in New Milford (Bundesstaat New York) lebte. Trotz seiner finanziellen Schwierigkeiten unterstützten seine Schwester Ruth und er ihre Mutter Marie Meyer, die ebenfalls in die USA geflüchtet war. Es wird angenommen, dass Walter Max Meyer bereits verstorben ist, jedoch sind mir seine Todesdaten nicht bekannt.

 
Nadine Walter
Gedenkbuch im Salmen (Offenburg), 2010/11

Hammel, Mina (geb. Machol)

Mina Hammel wurde am 20.01.1898 als drittes Kind jüdischer Eltern in Ettlingen geboren. Ihr Vater Sigmund Machol (geboren am 05.10.1863) war mit Settchen Machol (geboren am 28.04.1864 in Hildesheim in Hessen) verheiratet. Mina hatte drei weitere Geschwister, einen älteren Bruder Isidor (geboren am 14.03.1895), eine ältere Schwester Johanna (geboren am 09.09.1896) und eine jüngeren Bruder Julius (geboren am 15.12.1899). Sigmund Machol war von Beruf Metzgermeister und Viehhändler.

In Minas Kindheit lebte eine christliche Familie im Haus ihrer Eltern. Die Familien hatten ein sehr gutes Verhältnis zueinander, die Kinder spielten zusammen im Garten der Familie Machol und Settchen Machol tröstete die christliche Mutter, als deren Mann während des ersten Weltkriegs nicht nach Hause kam. Mina wuchs in einer offenen, freundlichen Familie auf.

Am 15.11.1925 heiratete Mina den am 18.11.1892 in Offenburg geborenen Viehhändler Paul Hammel. Im Dezember 1925 zogen sie in Offenburg in die Hauptstraße 42 und vier Monate später in die Sofienstraße 30.
Am 28.03.1928 bekam das Ehepaar ihren ersten Sohn Kurt. Am 03.03.1931 kam der zweite Sohn Rudolf zur Welt. Mina Hammel war Hausfrau und Mutter.

1933 kam die NSDAP an die Macht, erließ zahlreiche antijüdische Verordnungen und führte verschiedene Aktionen durch, die es jüdischen Bürgern erschwerte, ihren Lebensunterhalt zu sichern. Auch Familie Hammel musste finanzielle Einbußen hinnehmen. Im März 1934 zog die Familie in die Zellerstraße 21.

Am 22.10.1940 wurde die Familie bei der großen Deportation aller Juden aus Baden und der Saarpfalz ins südfranzösische Gurs am Fuße der Pyrenäen deportiert. Kurt und Rudolf  wurden über Rivesaltes in ein Kinderheim in Creuse und 1942 illegal in die Schweiz gebracht.  1945 konnten sie nach Amerika auswandern, wo sie später auch Familien gründeten.
Mina und Paul waren bis zum 01.08.1942 in Rivesaltes und wurden zehn Tage später über Drancy nach Ausschwitz deportiert.
Am 31.12.1945 wurden sie und ihr Mann dort für tot erklärt. Wann sie genau ermordet wurden ist nicht bekannt.

Als Wiedergutmachung erhielten Kurt und Rudolf für die 22-monatige Freiheitsentziehung ihrer Mutter 3.300 DM. Außerdem bekamen sie von geforderten 72500 RM unter anderem für Geschäftsvermögen und Schmuck 2282 DM ausbezahlt.

Mareike Faiß
Gedenkbuch im Salmen (Offenburg), 2010/11

Moch, Sara (geb. Dreyfusz)

Foto: Staatsarchiv FreiburgDie spätere Offenburgerin wurde am 27. September 1878 als Sara Dreyfusz in Eppingen bei Heilbronn geboren. Sie heiratete 1903 den Kaufmann Leopold Moch, der am 27. Januar 1872 in Nonnenweier, das heute zur Gemeinde Schwanau gehört, geboren worden war. Ihr Mann betrieb in Offenburg eine Papier- und Ledergroßhandlung in der Blumenstraße 5, der heutigen Phillipp-Reis-Straße.

Die Mochs bekamen drei Kinder, zuerst die am 29. Mai 1904 noch in Nonnenweier geborene Jenny. Als nächstes erblickte am 26. Juli 1905 Rosa, „Rosl“ genannt, in Offenburg das Licht der Welt, (siehe Biografie Rosa Moch). Sohn Bertold wurde am 27.  April 1907 ebenfalls in Offenburg geboren, (siehe Biografie Bertold Moch).

Die fünfköpfige Familie wohnte über ihrem Geschäft in der Blumenstraße 5. Insgesamt mussten Sara und ihr Mann für die 4-Zimmer-Wohnung und das Geschäftslokal im Erdgeschoss monatlich 110 Reichsmark bezahlen, eine keineswegs überteuerte Miete. Darüber hinaus besaßen sie eine Bibliothek, welche ca. 500 Bücher umfasste.

Ob die Hetze der Nazis die angeschlagene Gesundheit von Ehemann Leopold Moch weiter verschlimmerte, ließ sich nicht mehr herausfinden. Jedenfalls verstarb Saras Ehemann am 22. Juni 1934 an Krebs.

Nach seinem Tod führte Sara das Geschäft bis 1936 fort, dann musste sie es wegen mangelnder Einkünfte aufgeben. Knappe drei Jahre später gelang es ihr, im Juni 1939 Deutschland zu verlassen und zu ihrem Sohn Bertold ins südafrikanische Kapstadt auszuwandern. Für ihre Reise musste sie eine „Judenvermögensabgabe“ von 2120 Reichsmark zahlen, außerdem wurde ihr Wertpapierdepot von den Nazis beschlagnahmt. Die Bibliothek und den Hausrat musste sie zurücklassen.

In Kapstadt stellte sich schnell heraus, dass sie das Klima nicht vertrug. Daher zog sie 1948 zu ihrer Tochter Jenny nach Pittsburgh in Pennsylvania, welche geheiratet hatte und nun den Namen Schey trug. Dort lebte sie bis zu ihrem Tod am 6. April 1952.

 
Sarah Garbe
Gedenkbuch im Salmen (Offenburg), 2017/18

Grelet, Paula Suse (geb. Greilsheimer)

Foto: Staatarchiv FreiburgPaula Suse Greilsheimer wurde am 24. Oktober 1926 in Freiburg geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie bis zum 13ten Lebensjahr in Offenburg. Als einziges Kind von Ludwig und Clothilde Greilsheimer wuchs sie im Elternhaus in der Gymnasiumstrasse 1 auf. Das Gebäude existiert auch heute noch.
 
Im April 1939 ging die Familie für ein paar Monate wieder nach Freiburg zurück. Dort besuchte „Susi“ die jüdische Schule, in der sie sich gut mit den übrigen Schülerinnen verstand.
 
Am 22.10.1940 wurden die Juden aus Baden und der Pfalz von den Nazis in das südfranzösische Internierungslager Gurs deportiert. Auch Susi und ihr Vater waren von der Deportation betroffen und mussten zunächst an ihren alten Wohnort Offenburg zurückkehren. Am Freiburger Bahnhof trafen sich die beiden und fuhren gemeinsam nach Offenburg. Dort mussten sich alle Offenburger Juden in der Turnhalle der damaligen Oberrealschule, dem heutigen Schillersaal, versammeln. Anschließend wurden sie zum Bahnhof geführt, um in Sonderzügen nach Südfrankreich transportiert zu werden. Zwei Tage lang dauerte die Fahrt, die sie in Viehwagen zusammengepfercht überstehen mussten, ohne Nahrung und unter katastrophalen hygienischen Bedingungen.
 
Im Alter von 14 Jahren wurde Susi für sechs Monate im Lager Gurs festgehalten. Danach wurde sie in das Nebenlager Rivesaltes eingewiesen, das für Mütter und Kinder gedacht war. Die Umstände dort waren schlecht, es gab viele Ratten und schlechtes Essen, sodass Susi eine langjährige Niereninsuffizienz mit Gelbsucht davontrug.  Von September 1941 bis März 1942 konnte sie dort jedoch einen Schneiderkurs besuchen, den sie mit einem Zertifikat und der Note „Sehr gut“ abschloss. Im April 1942 kam Susi in ein Kinderheim und entkam danach der Gestapo durch eine schriftliche Erlaubnis, bei ihrer Tante und ihrem Onkeln in Chatel leben zu dürfen.
 
Die Mutter von Susi Greilsheimer war kurz vor der Deportation gestorben. Die Beziehung zwischen Susi und ihrem Vater war dadurch sehr intensiv geworden. Ludwig Greilsheimer schrieb seiner Tochter so oft es ihm möglich war Briefe und Postkarten, in denen er sie nach ihrem Befinden fragte. Auch als er nach Auschwitz deportiert wurde, versuchte er den Kontakt aufrecht zu erhalten. Ludwig Greilsheimer hat Auschwitz nicht überlebt. Er gilt als verschollen.
 
Nach Kriegsende ließ sich Susi in Frankreich nieder. Dort heiratete sie am 26. August 1945 im Alter von 18 Jahren und übernahm den Familiennamen ihres Ehemannes „Grelet“. In Limoges eröffnete sie eine Emaillierwerkstatt für Schmuck. Paula Suse Grelet starb am 4. Januar 2011 im Alter von 84 Jahren.
 
Paula Suse Grelet hat sehr viel getan, um an die Geschichte ihrer Familie zu erinnern. Sie schickte Dokumente an das Offenburger Stadtarchiv und unterstützte dessen Forschungsarbeit. Ihre Heimatstadt Offenburg besuchte sie noch mehrmals. 

 
Kyung-Ae Cho
Gedenkbuch Salmen (Offenburg), 2005

Adler, Max

Max Adler wurde am 23. August 1898 in Offenburg geboren. Er war das erste Kind von Jakob und Sophie Adler und hatte eine jüngere Schwester namens Ida Adler, welche drei Jahre später am 3. Oktober 1901 geboren wurde.

Max vollendete am 31. Juli 1914 das Einjährige, welches mit dem heutigen Realschulabschluss vergleichbar ist. Er begann eine Lehre als Kaufmann, um seinem Vater nachzufolgen, wurde jedoch 1916 zum Wehrdienst einberufen. Nach zweijährigem Einsatz an der Westfront kehrte er 1918 verwundet aus Verdun zurück. Allerdings kehrte er nicht in seine Geburtsstadt Offenburg zurück, sondern ging nach Frankfurt. Dort war er bis zum 17. September 1930 als Provisionsvertreter tätig und wohnte in der Cronberger Straße 22. Kurze Zeit nach der Machtübertragung an die Nazis, noch im Jahre 1933, emigrierte Max Adler nach Paris. Was ihn genau dazu bewogen haben mag, muss unergründet bleiben. Vielleicht war er hellsichtig genug zu sehen, dass die Juden immer mehr aus der deutschen Gesellschaft ausgegrenzt wurden. Wahrscheinlich in Paris heiratete er Sophie, eine geborene Bergheimer. Er und Sophie bekamen ein Kind, welches im Jahre 1949 zur Welt kam. Max legte trotz seiner Emigration großen Wert auf den Kontakt zu seiner Familie.

Ida Adler hatte ebenfalls das Einjährige an einer Mädchenschule vollendet. Sie zog am 20. Dezember 1936 nach Frankfurt am Main und kehrte bereits ein Jahr später zu ihren Eltern nach Offenburg zurück. Die Eltern Jakob Adler und Sophie Adler besaßen ein Manufakturwarengeschäft, in welchem hauptsächlich Aussteuerartikel verkauft wurden. Das Geschäft war in Offenburg und Umgebung sehr bekannt. Die Familie hatte ein gutes Einkommen und war finanziell abgesichert. Ab 1933 konnten die Adlers ihr Geschäft nur beschränkt betreiben und schließlich überhaupt nicht mehr. Am 29. März wurde die Firma aus dem Handelsregister gelöscht.

Jakob Adler wurde nach der Reichsprogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 festgenommen und in das Konzentrationslager in Dachau eingeliefert, wo er nach Misshandlungen am 27. Dezember 1938 verstarb.

Sophie Adler wurde zusammen mit ihrer Tochter Ida am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert, von wo sie in das Vernichtungslager Ausschwitz transportiert wurden und dort vermutlich sofort nach ihrer Ankunft ermordet wurden.

Max Adler war der einzige Überlebende der Familie. Er lebte mit Frau und Kind in Paris am Square de Léon Guillot Nr. 1, jedenfalls im Jahr 1958, als seine Frau einen Entschädigungsantrag stellte.

 
Bianca Morgalla
Gedenkbuch im Salmen (Offenburg), 2017/18

Lion, Karl & Johanna (geb. Sommer)

Foto: Staatrsarchiv FreiburgKarl Lion wurde am 10.01.1879 in Ettenheim geboren. Seine Eltern waren Esther Lion, geb. Kahn, und Jonas Lion, der ein kleines Textilgeschäft besaß. Das Ehepaar hatte acht Kinder.
Karls Ehefrau, Johanna Lion, geborene Sommer, stammte aus Freiburg, wo sie am 16.12.1899 geboren wurde.
Beide waren jüdischer Abstammung und besaßen die Badische Staatsangehörigkeit.

Karl und Johanna heirateten am 19.02.1920 in Baden-Baden. Noch am selben Tag zog Karl nach Offenburg. Johanna folgte ihm knapp einen Monat später aus Freiburg und sie bezogen gemeinsam eine Wohnung in der Bühlerstraße 19. Am 12.11.1920 wurde ihr Sohn Hans Max Friedrich geboren,  am 4.2.1922 ihre Tochter Edith Trude.

Foto: Staatrsarchiv FreiburgKarl Lion war Fabrikant und Mitbesitzer der Zigarrenfabrik „Ullmann & Fetterer“. Die Geschäftsräume lagen in der Okenstraße 101 in Offenburg. Die Fabrik fuhr innerhalb der nächsten Jahre hohe Verluste ein, so dass Karl Lion in den Jahren 1929-1933 bei der Deutschen Bank und der Städtischen Sparkasse in Offenburg stark verschuldet war.
Zur Vermeidung einer Zwangsversteigerung musste Karl sämtliche Sicherheiten und Grundstücke verkaufen. Trotzdem blieb der Deutschen Bank ein erheblicher Ausfall. Die Zigarrenfabrik Karl Lions und seines Partners Max Lion wurde an die Firma „Boos“ verkauft. Die Familie lebte währenddessen seit 1927 in der Franz-Volk-Straße 45, wo sich auch die Stolpersteine des Ehepaars befinden.
Johanna Lion war Hausfrau und kümmerte sich um die Kinder. 1938 sorgte sie dafür, dass ihr Sohn Hans, mittlerweile 18 Jahre alt, nach Nordamerika auswandern durfte. Dies wurde dem Jungen zunächst bewilligt, da keine Steuerrückstände beim Finanzamt Offenburg vorhanden waren und somit keine steuerlichen Bedenken gegen eine Auswanderung ins Ausland bestanden. Hans sollte die Wartezeit bis zu seiner Reise in Frankreich verbringen. Viele Offenburger Juden versuchten während dieser Zeit das Land zu verlassen, da sie vor der Unterdrückung und der Entrechtung der Juden fliehen wollten. Jedoch kam es nie zu der Auswanderung von Hans Max Friedrich Lion. Gründe dafür sind nicht bekannt.

Am 23.02.1939 zogen die Lions in die Gaswerkstraße 17, eins der „Judenhäuser“ in Offenburg. Dort lebten sie unter einem Dach mit den jüdischen Familien Geismar, Grombacher und Hammel. Mietverträge der Bewohner von „Judenhäusern“ konnten jederzeit mit der gesetzlichen Frist gekündigt werden. Auf Verlangen der Gemeindebehörde mussten die Bewohner von „Judenhäusern“ oftmals weitere Juden als Mieter oder Untermieter aufnehmen. Das führte dazu, dass beliebig viele Personen auf engstem Wohnraum zusammen leben mussten und das meist gegen ihren Willen.

Am 22. Oktober 1940 wurden die Lions zusammen mit 4464 anderen badischen Juden, was  so gut wie alle waren, ins „Camp de Gurs“, ein Internierungslager in der französischen Ortschaft Gurs, deportiert. Dort mussten die „Gefangenen“ auf Strohsäcken schlafen, wobei ihnen in den Baracken ein 70 cm breiter Raum zur Verfügung stand. Die „Gefangenen“ wurden oft von ihren Familien getrennt, sie hungerten und schlechte hygienische Bedingungen sowie Krankheiten gehörten zum Alltag im Lager. Die Lions überlebten den dortigen Aufenthalt und wurden dann in das Sammel- und Durchgangslager Drancy gebracht, nordöstlich von Paris.

Am 06.03.1943 wurden sie in das Konzentrationslager Majdanek in Polen deportiert.
Majdanek wird aufgrund seiner hohen Opferzahlen auch als Vernichtungslager bezeichnet. Es gab dort eine Gaskammer und es kam zu Massenvernichtungen durch Erschießen. Dennoch wird heute vermutet, dass 60 Prozent der Opfer durch Zwangsarbeit, schlechte Behandlung und Krankheit umkamen und nicht gezielt ermordet wurden.

Alle Mitglieder der Familie Lion kamen in der NS-Zeit um, Karl Lion wurde am 08.05.1945 „im Osten“ für tot erklärt. 
 

Nasanin ShahrokhiRad und Julia Brendel
Gedenkbuch im Salmen(Offenburg), 2010/11

Maier Simon, Margarete (geb. Maier)

Foto: Stadtarchiv OffenburgMargarete Maier wurde am 29. März 1914 als zweites Kind des Kaufmannes Jakob Maier und seiner Frau Fanny in Offenburg geboren. Ihr Bruder Hans war vier Jahre älter als sie. Margarete besuchte die Volksschule und danach die Oberrealschule, war aber gezwungen, sie ein Jahr vor dem Abitur abzubrechen. Sie ging dann nach Nancy, wo sie Französisch und Geschichte studierte. Das war ihr trotz des fehlenden Schulab-schlusses möglich, da sie keinen Abschluss an der Universität erreichen wollte. Sie plante, Sozialarbeiterin zu werden. Außerdem nahm sie Portugiesisch-Unterricht, da sie annahm, vielleicht nach Südamerika zu kommen. In einigen Ländern dort standen die Chancen für eine Auswanderung gut.
 
Zurück in Deutschland musste Margarete die Auswirkungen der Diskriminierung von Juden auch im privaten Umfeld erfahren: Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten sprachen ehemalige Mitschüler und sogar Freunde nicht mehr mit ihr, weil sie nicht mit Juden gesehen werden wollten. Das Herrenbekleidungsgeschäft ihrer Eltern in der Hauptstraße 69 wurde 1935 geschlossen, weil die Menschen nicht mehr bei Juden einkaufen wollten.
 
Als Margarete in Hamborn (Nordrhein-Westfahlen) Verwandte besuchte, lernte sie den neun Jahre älteren Zahnarzt Rudolph Simon, ebenfalls ein Jude, kennen. Sie verliebten sich ineinander und wollten im Februar 1938 heiraten. Als sich jedoch die Situation der Juden zuspitzte und Rudolph Auswanderungspapiere bekommen konnte, verließ er Deutschland und ging in die USA, wo er Papiere für Margarete besorgen wollte. Schließlich konnte sie ihm folgen. Sie kam nach Chicago und am 31. Oktober 1938 heirateten die beiden mit Fremden als Trauzeugen. Margarete nannte sich von nun an Margaret, ihr Mann verkürzte seinen Namen zu Rudy.
 
Das Leben in ihrer neuen Heimat war für Margaret und Rudy zunächst von vielen Umstellungen geprägt. Rudy musste seinen Beruf als Zahnarzt aufgeben, da er, um in den USA praktizieren zu dürfen, ein Zusatzstudium benötigt hätte. Das kam aber aus finanziellen Gründen nicht in Frage und beide nahmen verschiedenste Jobs an, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten und auch Margarets Eltern in die USA holen zu können. Die Eltern hatten sogar schon Papiere, konnten die Reise aber niemals antreten. Im Oktober 1940 wurden sie nach Gurs deportiert, später nach Auschwitz, wo sie im Mai 1945 für tot erklärt wurden.
 
Rudy fand eine Anstellung als Verkäufer bei einem Stoffunternehmen, während Margaret nach der Geburt ihrer gemeinsamen Kinder Norman (1942) und Evelyn (1947) zunächst Hausfrau und Mutter war. Später arbeitete sie bei derselben Firma wie ihr Mann, allerdings in einer anderen Abteilung, die für das Design von Theaterkostümen zuständig war. Margaret konnte dort ihre Kreativität und ihr Talent zum Nähen einbringen.
 
Sie und ihr Mann lebten bis ins hohe Alter in Chicago. Rudy ist im Januar 2000 im Alter von 94 Jahren gestorben, Margaret starb am 6. September 2009 im Alter von 95 Jahren.
 
Ihre Tochter Evelyn beschreibt sie als eine sensible und fürsorgliche Frau, der ihre Religion sehr wichtig ist. Das hängt mit ihrer Erziehung zusammen, aber Evelyn sieht noch einen anderen Grund:
 
„Ich glaube, dass der jüdische Glaube meiner Mutter viel Trost spendet. Schließlich ist er eines der wenigen Dinge, die die Nazis ihr nicht wegnehmen konnten. Ihre Eltern und andere Familienmitglieder waren fort. Die ganze Welt, wie sie sie gekannt hatte, war fort. Aber ich glaube, sie hatte das Gefühl, dass Gott und ihre Religion ihr Trost und Vertrautheit brachten, in einer Welt, die aus den Fugen geraten war.“
 
Was sie in Deutschland, in Offenburg, erlebt hat, konnte Margaret für den Rest ihres Lebens nicht vergessen. Auch ihr Alltag ist davon beeinflusst. Aber sie ist eines der Beispiele für Menschen, die den Holocaust überlebt und ein neues Leben angefangen haben; mit Mut, harter Arbeit, Durchhaltevermögen und nicht zuletzt Vertrauen in Gott.

 
Dunja Rühl
Gedenkbuch im Salmen (Offenburg), 2006/07