Haslach: Besichtigung der KZ-Gedenkstätte Vulkan

Im Haslacher Urenwald, nahe der Mülldeponie erinnert die „KZ-Gedenkstätte Vulkan“ an die drei nationalsozialistischen Lager in Haslach, in denen von September 1944 bis April 1945 über 1.700 Männer aus 21 Länder litten und Hunderte von ihnen starben. Die Häftlinge waren eingesetzt, in den bestehenden Bergwerksstollen des Vulkangeländes für verschiedene Rüstungsindustrie unterirdische Produktionshallen zu errichten,
Treffpunkt um 18:30 Uhr am ausgeschilderten „Waldseeparkplatz“ an der B 294 in Richtung Freiburg (Abzweigung Hofstetten). Gemeinsame Fahrt zur Gedenkstätte. Mitfahrgelegenheit für Nichtmotorisierte kann organisiert werden.
An der Gedenkstätte Vortrag von Sören Fuß mit Diskussionsmöglichkeit – Gelegenheit zum Lesen der Dokumentationstafeln.

Donnerstag, 27. Juni 2019, 18.30-20.45 Uhr
Treffpunkt am ausgeschilderten „Waldseeparkplatz“ an der B 294 in Richtung Freiburg
Anmeldung erwünscht unter der Telefonnummer 07832 706-174.
gebührenfrei

Emmendingen-Simon-Veit-Haus

Emmendingen: Else Lasker-Schüler

„Dies war die größte Lyrikerin, die Deutschland je hatte. Ihre Themen waren vielfach jüdisch, ihre Phantasie orientalisch, aber ihre Sprache war Deutsch, ein üppiges, prunkvolles, zartes Deutsch…“ behauptete Gottfried Benn.

Die Machtübernahme der Nazis 1933 zwang Else Lasker-Schüler (11. Februar 1869 – 22. Januar 1945) zur Flucht in die Schweiz. Mit der Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft 1938 wurde sie staatenlos. Die Schweizer Behörden beäugten sie misstrauisch und verweigerten ihr jegliche Erwerbstätigkeit, selbst als Dichterin. Nach ihrem Besuch in Palästina 1939 durfte sie nicht wieder in die Schweiz einreisen.
Die letzten sechs Jahre ihres Lebens bis zu ihrem Tod im Jahr 1945 verbrachte Else Lasker-Schüler  mittellos und vereinsamt in Jerusalem, ihrem „Hebräerland“.

Anlässlich des 150. Geburtstages von Else Lasker-Schüler widmen die Sängerin und Schauspielerin Ursula Kurze sowie der Dozent für hebräische Sprache und Literatur Ruben Frankenstein  der großen expressionistischen Dichterin ein literarisches Portrait, in dem sie ihre Lebensgeschichte und ihr Werk präsentieren.

Donnerstag, 27. Juni 2019, 19:30 Uhr,
Emmendingen, Simon-Veit-Haus, Kirchstraße 11, Teschemacher- Saal
Vorgestellt von Ursula Kurze (Dresden) und Ruben Frankenstein (Freiburg)
Verein für jüdische Geschichte und Kultur Emmendingen e.V. in Kooperation: Jüdische Gemeinde Emmendingen K.d.ö.R.
Eintritt frei, Spenden erbeten

ehemalige Synangoge Kippenheim

Kippenheim : Vernissage – „Das Anlitz des Anderen“

Der 1951 in Münster geborene und in Lahr lebende Fotograf Manfred Sickmann sucht für seine fotografischen Arbeiten immer neue Herausforderungen.
Für sein Projekt „Das Antlitz des Anderen – eine fotografische Litanei für Respekt und Zuversicht“ porträtiert er 100 Männer und Frauen verschiedenen Alter. Die Vernisage wird mitgestaltet von den Sängern und Sängerinnen des „Chorus Delicti“

Die in der Ausstellung gezeigte Auswahl von 24 Portraits bietet dem Schauenden die Möglichkeit, den Anderen zu sehen, von ihm gesehen zu werden und sich zu öffnen für das, was Menschen bereithalten: Beunruhigendes, Berührendes, Undurchdringliches…..
In Zeiten, in denen tagtäglich darum geworben wird, Positionen wider die Menschenwürde argumentativ zu verhandeln erscheint das fotografische Plädoyer für Respekt und Zuversicht wie eine Gegenrede, die Adornos Diktum aufgreift: „Liebe ist die Fähigkeit, Ähnliches an Unähnlichem wahrzunehmen.“
Aus Sickmanns Vorhaben, uns das Antlitz der Anderen zu zeigen, ist ein sozialkritisches Projekt geworden, das in der Tradition der Dokumentarfotografie steht, die sich auf gesellschaftskritische Weise mit der sozialen Realität auseinandersetzt. Und es ist ein Glaubensbekenntnis: Glauben an das friedensstiftende Potenzial von Fotokunst.

Sonntag, 7. Juli 2019, 11 Uhr
Ehemalige Synagoge Kippenheim, Poststraße 17
Eintritt frei, Spenden erbeten

Mikwe Offenburg, Foto: Steffen Krauth

Freie Besichtigung der Mikwe Offenburg

Auf Initiative des Fördervereins Archiv, Museum und Galerie der Stadt Offenburg e.V. wurde der Gewölbekeller saniert und durch eine Präsentation aufgewertet.

In Absprache mit dem Denkmalschutz hat die Wohnbau Offenburg GmbH als Eigentümerin des Gebäudes die Sanierungsarbeiten durchgeführt und die Zugangssituation wesentlich verbessert. Hölzerne Stege leiten die Besucher/innen durch eine von Dr. Valerie Schoenenberg konzipierte Ausstellung, die drei Themenkomplexe aufgreift:

  • Geschichte der Offenburger Juden vom Mittelalter bis in die Neuzeit
  • Baugeschichte und Datierungsprobleme
  • Funktion eines jüdischen Ritualbads

Freitag, 12. Juli 2019, 13-17 Uhr
Offenburg, Eingang Glaserstraße 8 (Zugang über Bäckergasse oder Steinstrasse)
Öffnung in Kooperation mit dem Jugendbüro / Mehrgenerationenhaus Offenburg.
Eintritt frei

Blaues Haus Breisach

Breisach: jour fixe musical – Einst zum Verstummen verurteilt

Unter dem Motto: „Musikalische Raritäten zum Thema Verfolgung – Widerstand – Exil“ hat im September 2018 im Blauen Haus Breisach die Reihe „Jour fixe musical“ begonnen, bei der in erster Linie von den Nazis verfemte Komponisten und Interpreten zu Worte kommen. Die Programmfolgen widmen sich aber ebenso Werken von Komponisten, die Widerstand geleistet haben oder von Künstlern, die in anderem geschichtlichen Zusammenhang verfolgt wurden oder ins Exil gehen mussten:
Festival Pro 3: Einst zum Verstummen verurteilt
Tilmann von Stockhausen liest
Saskia Niehl Violine | Julien Floreani Klarinette | Ruth Patzelt Gitarre | Lucas Macias Navarro Oboe (noch unbestätigt) Isang Yun, Pezzo Fantasioso und >Piri< || Federico Garcia Lorca, Texte (Lesung) und Kompositionen für Gitarre solo
(sowie vom Tonband: Pablo Casals spielt Manuel de Falla)

Weitere Veranstaltungen in dieser Reihe: Musikalische Raritäten_Programm Das Blaue Haus Breisach 2019_2020_aktuell

Sonntag, 14. Juli 2019, 18 Uhr
Breisach, Blaues Haus
Eintritt frei

Ehemalige Synagoge Kippenheim, KONZERT 8.9.2019

Ehemalige Synagoge Kippenheim: Konzert mit TonArt Kenzingen

Im Zentrum des Konzertes von Tonart „„םיכלמ – Könige“ steht der Komponist Salomone Rossi Hebreo aus Mantua, Hohelied-Vertonungen von Palestrina, Morley, Lechner u.a., Psalmen in hebräischer Sprache von Rossi und von Avi Faintoch, einem modernen israelischen Komponisten. Dazu liturgische Texte der Synagoge, ein paar jiddische Lieder aus dem Schtetl, polyphone Musik der Renaissance und des Frühbarocks. Der Titel des Konzertes „םיכלמ – Könige“ nimmt Bezug auf die beiden Haupt-Textlieferanten des Chores: König David, der Verfasser der Psalmen und sein Sohn König Salomo, der Dichter des Hohelieds.

Sonntag, 8. Sept. 2019, 17.00 Uhr
Ehemalige Synagoge Kippenheim, Poststraße 17
Eintritt frei, Spenden erbeten

Dr. Michael Blume (Bild: Land BW)

Kippenheim: Gespräch mit dem „Antisemitismus-Beauftragten“ der Landesregierung in Baden-Württemberg Dr. Michael Blume

73 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus in Deutschland ist Rassismus wieder aktuell geworden. „Selbst im schönen Baden-Württemberg mit niedriger Arbeitslosigkeit, funktionierenden Vereinen und Kirchen ist der Antisemitismus unter Einheimischen und muslimischen Einwan¬derern wieder da“, sagte Dr. Michael Blume (Bild: Land BW) in einem Interview. Seit Anfang 2018 ist Dr. Michael Blume „Antisemitismus-Beauftragter“ der Landesregierung in Baden-Württemberg. Auch das Land Hessen hat einen solchen Beauftragten, ebenso die Bundesrepublik. Was können diese Stellen leisten, was nimmt sich der „Antisemitismus-Beauftragte“ für Baden-Württemberg vor? Angesichts der zunehmenden rassistischen und antisemitischen Ereignisse und Äußerungen soll ein Gespräch mit Dr. Blume die politischen Möglichkeiten in Baden-Württemberg und in der Bundesrepublik Deutschland ausloten. Welche Gegenwehr ist sinnvoll in Gesellschaften, in denen die Maßstäbe verschoben und antisemitische Maßnahmen auch von den Regierungen selbst gefördert werden?
Blume ist Religionswissen¬schaftler und Referatsleiter für nichtchristliche Religionen im Staats-ministerium Baden-Württemberg. Er forscht, lehrt und veröffentlicht Bücher zu Fragen des christlich-islamischen Dialogs in Deutschland sowie zum Zusammenhang von Religion und Demografie sowie zur Entwicklung der Neurotheologie.

Sonntag 15. Sept. 2019, 19 Uhr
Ehemalige Synagoge Kippenheim, Poststraße 17
Eintritt frei, Spenden erbeten

Lion, Edith und Hans

Foto: Staatsarchiv FreiburgEdith Trude Lion und Hans Max Friedrich Lion waren die Kinder von Johanna Lion und Karl Lion. Die Familie wohnte in der Franz-Volk-Straße 45 in Offenburg.

Später wurden sie durch die Nationalsozialisten aus ihrer Wohnung vertrieben und in einem so genannten Judenhaus zusammengepfercht. Dieses befand sich in der Gaswerkstraße 17, wo sie dann mit den jüdischen Familien Geismar, Grombacher und den Hammels zusammenlebten. Vater Karl Lion, ein Kaufmann, war Teilhaber der Zigarrenfirma Ullmann & Fetterer. Wie viele andere Unternehmen auch geriet diese in der Weltwirtschaftskrise 1929 in große Zahlungsschwierigkeiten. Um die Schulden zu verringern, mussten die Teilhaber, also auch Karl Lion, den Großteil ihres Vermögens sowie ihren Grundbesitz verkaufen. Dennoch standen bei der Sparkasse Offenburg und bei der Deutschen Bank auch weiter Schulden offen. Zu Beginn des „Dritten Reiches“ waren die Lions daher schon verarmt.

Foto: Staatsarchiv FreiburgDie Tochter  Edith wurde am 4. Januar 1922 in Offenburg geboren. Sie besuchte die Volksschule bis Ostern 1936. Später, soviel ist bekannt, machte Edith noch einen Kochkurs an der Klosterschule. Um diese Zeit war bereits klar, dass jüdischen Schülern und Schülerinnen der Schulbesuch kaum mehr möglich war; schon im April 1933 hatten die Nazis ein Gesetz verabschiedet, das die Zahl der jüdischen Schüler und Schülerinnen stark begrenzte. Im August 1934 wurde auch die Zahl der jüdischen Berufsschüler eingeschränkt. Und im Juli 1937 mussten die öffentlichen Schulen Sonderklassen für Juden einrichten. Leider ist nicht bekannt, ob die Eltern von Edith Lion vorhatten, ihre Tochter auf eine höhere Schule zu schicken.

Die Einschränkungen betrafen natürlich auch ihren Bruder Hans, der  am 10. Januar 1920 in Offenburg geboren wurde. Die Mutter Johanna Lion wollte wohl, dass Hans im Ausland weiter zur Schule gehen sollte. Es gelang ihr aber nicht, eine Zulassung zu bekommen. Hans machte stattdessen eine  kaufmännische Lehre. Während seiner Ausbildung vom 2. Mai 1935 bis 23. Mai 1936 bei einer Zigarrenfabrik in Emmendingen, wo er auch wohnte, soll er von seinen Kollegen Geld gestohlen haben. Das Gericht wies die Schuld den Eltern zu, weil sie angeblich den Jungen schlecht erzogen hätten. Es war selbstverständlich, dass er seinen Arbeitsplatz verlassen musste. Warum er Geld entwendet hatte, wurde vor Gericht nicht geklärt. Hans kehrte zurück nach Offenburg. In der Langestraße 18 kam  er in einem Fahrradgeschäft unter. Es existiert heute noch. Der Besitzer des Geschäftes wurde von einem Nachbarn denunziert, weil er Juden beschäftigte. Er weigerte sich standhaft, Hans zu entlassen, durfte ihn aber nicht als Lehrling, sondern nur als Hilfsarbeiter beschäftigten.

Im Oktober 1940 wurde die gesamte Familie Lion zunächst nach Gurs deportiert, von dort in ein KZ im Osten. Dies ist in einem Erhebungsbogen aus den 1960er Jahren zu lesen, den die Stadt Offenburg ausfüllte. Solche Bögen mussten alle badischen Gemeinden über die Schicksale ihrer ehemaligen jüdischen Bürger und Bürgerinnen anlegen. Das Amtsgericht Offenburg legte als Todeszeitpunkt für alle Familienmitglieder den 8. Mai 1945 fest. Niemand weiß, in welchem Vernichtungslager die Lions umkamen. Vor dem Haus in der Franz-Volk-Straße wurden Stolpersteine für die Ermordeten gesetzt.

 
Nurten Karakurt & Aysenur Zorbulut
Gedenkbuch im Salmen (Offenburg), 2014/15

Weil, Erich Elias

Foto: Staatsarchiv FreiburgErich Elias Weil wurde am 27.11.1926 als Sohn von Paula Bella und Max Weil in Rastatt geboren. Zwei Jahre darauf zog die Familie nach Offenburg in die Blumenstraße 3 und ein Jahr später in die Hermannstraße 8.

Erichs Vater arbeitete bis 1935 bei der Firma Dold. Ohne jede Entschädigung wurde er nur aufgrund seiner jüdischen Abstammung entlassen. Zwei Jahre darauf zog die Familie Weil wieder in die Blumenstraße 3, um dort ein jüdisches Café zu eröffnen.

Die Lage verschärfte sich in der sogenannten „Reichspogromnacht“ vom 9. auf den 10. November 1938, in der die Offenburger Synagoge und viele jüdische Geschäfte und Häuser zerstört wurden. In dieser Nacht wurden alle männlichen Juden ab 16 Jahren festgenommen und am darauffolgenden Tag nach Dachau deportiert. Auch das Café Weil wurde zerstört und Max Weil für vier Wochen nach Dachau ins Arbeitslager deportiert. 1939 wurde die Familie Weil gezwungen, die Schäden, die durch die Nationalsozialisten am Café entstanden waren, zu beheben und das Café wieder zu eröffnen. Im gleichen Jahr mussten sie das Café jedoch wieder schließen, weil die Kundschaft ausblieb.

Mitte April zog die Familie für einige Monate nach Karlsruhe, wo Erich vermutlich auf die jüdische Schule ging.

Da Erichs Eltern für ihren einzigen Sohn keine Perspektive in Deutschland sahen, beantragten sie für ihn einen Kinderreisepass, damit er zu Verwandten nach Nordamerika auswandern konnte. Eine Bestätigung auf die Beantragung blieb aus.
Mitte Dezember 1939 zog die Familie für einige Zeit nach München. Als sie zurückkamen, bezogen sie eine Wohnung in der Schanzstraße 7. Die Nationalsozialisten hatten angeordnet, dass jüdische Kinder nur jüdische Schulen besuchen durften. Dies bedeutete für Erich, dass er jeden Tag den langen Weg nach Freiburg zurücklegen musste, da dort die nächstgelegene jüdische Schule war.

Im Oktober 1940 wurde die gesamte Familie in den frühen Morgenstunden von SS-Truppen aus den Betten geworfen und gezwungen, ihre Sachen innerhalb einer Stunde zu packen. Sie durften nur 100 Reichsmark, Essen für mehrere Tage und maximal einen Koffer pro Person mitnehmen. Die Familie wurde in den Schillersaal mit den anderen Offenburger Juden eingesperrt, am Folgetag an den Bahnhof getrieben und nach Gurs (Südfrankreich) deportiert. Dort lebte die Familie ein halbes Jahr voneinander getrennt unter menschenunwürdigen Bedingungen, bis sie im März 1941 in das Internierungslager Rivesaltes transportiert wurden. Im September desselben Jahres starb Max Weil.

Ein Jahr später gelang Erich die Flucht mit Hilfe der französischen Hilfsorganisation OSE(Œuvre de secours aux enfants), die ihn in dem Kinderheim der Lilly Volkart im Tessin unterbrachte. Mit 16 Jahren besuchte er das Gymnasium in Locarno.

Zur selben Zeit wurde seine Mutter nach Auschwitz gebracht, drei Jahre später wurde sie für tot erklärt.

1946 emigrierte Erich Elias Weil in die USA, weil er Konditor werden wollte und dazu in der Schweiz keine Möglichkeit sah. Die Auswanderungskosten sowie die Haftentschädigungskosten wurden ihm Jahre später, nach seinem Wiedergutmachungsgesuch, vom Deutschen Staat erstattet. In den USA musste er drei Jahre lang Wehrdienst leisten. 1954 eröffnete er ein Delikatessengeschäft in New York.

Weitere Informationen zu seinem Leben liegen uns leider nicht vor. Wir vermuten jedoch, dass er mittlerweile in Amerika gestorben ist.

 
Julia Gresbach & Verena Kiefer
Gedenkbuch im Salmen (Offenburg), 2013/2014