Ebstein, Ida und Ismar

Ismar Ebstein wurde am 28. Dezember 1878 in Breslau geboren. Nach Beenden der Schule machte er eine Lehre zum Kaufmann. Danach genügte er der Militärdienstpflicht. 1907 zog er nach Offenburg in die Hauptstraße 17 zu dem Gastwirt Elias Weil. Im selben Jahr heiratete er dessen Tochter Ida, die am 25. Oktober 1875 geboren worden war. Am 8. März 1909 kam ihr erster Sohn Alfred zur Welt und ein Jahr später, am  2. Oktober 1910, wurde ihr zweites Kind Friederike geboren. Am 31. März zog die Familie nach Bad Wildbad, wo Ismar das Hotel seiner Schwiegereltern übernahm. In der Folgezeit wechselten die Ebsteins mehrfach zwischen Bad Wildbad und Offenburg hin und her. Im Jahr 1916, als sie gerade wieder einmal in Offenburg in der Seestraße lebten, brachte Ida ihr letztes Kind Elias Erich am 19. Februar auf die Welt.

1926 gab Ismar das Hotel auf und wurde Vertreter von verschiedenen Zigarren- und Weinfirmen. Ob das Hotel, das koschere Kost anbot und hierfür unter Aufsicht eines Rabbiners stand, nicht mehr genügend abwarf, entzieht sich der Kenntnis.

Jedenfalls zogen die Ebsteins 1927 von ihrer gutbürgerlichen Wohnung zu Ismars verwitweter Schwägerin Rudolphine Fetterer in die Blumenstraße 3, die heutige Philipp-Reis-Straße. Die Schwägerin unterstützte die Familie bereits seit Ende der 1920er Jahre, da seine Einkünfte auch wegen der sich anbahnenden Weltwirtschaftskrise gering waren. Nach der Machtübertragung an die Nazis verschlimmerte sich die wirtschaftliche Situation der Familie, bis Ismar schließlich ab Juli 1937 ganz aus seinem Beruf verdrängt wurde.

1938 wurde Idas Mann nach der Reichspogromnacht im November für 12 Tage im KZ Dachau gefangen gehalten. Am berüchtigten 22. Oktober 1940 schließlich wurde Ida mit ihrem Ehemann in das Pyrenäen-Lager Gurs deportiert. Zwei Jahre später, am 28. August 1942, verlegte man das Ehepaar in die Kleinstadt Mirande im Département Gers in ein Hospiz. Dort starb Ismar wohl aufgrund der erlittenen Strapazen, Ida hingegen wurde kurz darauf nach Récébédou, ein anderes französisches Internierungslager, gebracht. Es gelang ihr, der Deportation in ein Vernichtungs-KZ im Osten zu entkommen und in der kleinen Gemeinde Lacaune bei Toulouse das Kriegsende zu erleben. 1946 wanderte sie nach Palästina aus und verstarb am 19. November 1951 in der nahe bei Tel Aviv gelegenen Stadt Herzlia.

Jule Frenk & Karolin Scheiding
Gedenkbuch im Salmen (Offenburg), 2017/18

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