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Breisach: Gedenkveranstaltung

Anlässlich der Jährung des Novemberpogroms und der Zerstörung der Breisacher Synagoge am 10. November 1938 findet eine Gedenkveranstaltung der Stadt Breisach auf dem Synagogenplatz statt. Es lädt ein, Bürgermeister Oliver Rhein.

Sonntag, 10. November 2019, 11.45 Uhr
Synagogenplatz, Breisach
Eintritt frei

Schille, Wendelin

Wendelin Schille wurde am 4. September 1884 in Haslach geboren.

Nach seiner Schulzeit erlernte er das Malerhandwerk. Als junger Mann verließ er Haslach und arbeitete in verschiedenen Orten fern der Heimat. Dabei lernte er in Lauterbach bei Donauwörth seine Frau Franziska kennen. Die Ehe wurde im Oktober 1906 geschlossen.

Zwei Söhne und eine Tochter wurden dem Paar geschenkt.

Im ersten Weltkrieg wurde Wendelin Schille dann zu den Waffen gerufen. Er kehrte zwar aus dem Krieg zurück, aber seine Abneigung gegen den Krieg und den Waffeneinsatz war gewaltig. Er hatte schlimme Verätzungen erlitten und war ernsthaft verschüttet worden. Inwiefern diese Erfahrungen dazu beigetragen haben, sich den Bibelforschern anzuschließen, bleibt Spekulation.

Ein halbes Jahr vor Hitlers Machtergreifung machte sich Wendelin Schille im Alter von 48 Jahren als Maler selbständig, betrieb aber weiterhin mit seiner Frau Franziska die Obst- und Gemüsehandlung in der Seilerstraße 5.

In der Folgezeit geriet er auf Grund seines Bekenntnisses zur Glaubensgemeinschaft der Bibelforscher immer mehr unter Druck. Bald schon wurde er wie auch die meisten anderen zeitweise in Gefängnissen inhaftiert oder sogar in Konzentrationslagern interniert. Man wollte erreichen, dass sich die Bibelforscher von ihrer Glaubensgemeinschaft lossagten.

1936 war Wendelin Schille mehrere Monate im Gestapogefängnis in Freiburg, Im Februar 1937 kam er ins KZ Kislau.

Zeiten in Freiheit wechselten sich mit Aufenthalten im Gefängnis und im KZ Dachau ab.

Als er im Sommer 1940 auf freiem Fuß war, nahm er eine Arbeitsstelle in Blumberg an, mit der Absicht über die grüne Grenze in die Schweiz zu fliehen, wo befreundete Bibelforscher ihn aufnehmen wollten.

Am 18.9 1940 rief Franziska Schille ihren Mann in Blumberg an und warnte ihn, weil man in Haslach nach ihm suchte. Bevor er ihre Bitte, sofort unterzutauchen, realisieren konnte, schlugen die NS-Häscher zu. Sie verhafteten ihn und brachten ihn in das Gestapogefängnis nach Karlsruhe. Dort war er noch drei Monate den Torturen der Vernehmungsbeamten ausgesetzt. Am 11.Dezember 1940 ist er dort unter ungeklärten Umständen umgekommen. Wendelin Schille ist seiner religiösen Überzeugung bis zum Tode treu geblieben.

Seit September 2010 liegt in der Seilerstraße 5 in Haslach ein Stolperstein.

Sören Fuß
Stolpersteinprojekt Haslach im Kinzigtal

Ruschmann, Franz

Franz Ruschmann wurde am 27. Mai 1910 in Achern geboren. Nach der Volksschule absolvierte er eine Metzgerlehre in Rastatt und übte dann den Beruf bei seinem Onkel in Offenburg aus. Um die Zeit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten interessierte sich Ruschmann immer mehr für die Ernsten Bibelforscher. 1934 schloss er sich ihnen endgültig an, nachdem er zuvor aus der katholischen Kirche ausgetreten war. Mit diesem Schritt überwarf er sich mit seiner Familie.
Am 21. Dezember 1936 wurde er verhaftet und verbrachte sechs Monate unter anderem im Gestapogefängnis in Offenburg und im KZ Kislau. Er wurde bestraft, weil er die Schriften der Zeugen Jehovas verbreitete und die verfolgten Glaubensbrüder unterstützt hatte.

Franz Ruschmann war um diese Zeit bereits in Haslach in der Hauptstraße 37 gemeldet, wo er bei der Metzgerei Hättich Arbeit fand. Das blieb auch seine Heimatadresse als er am 27.August 1939 zum 4. Baubataillon nach Friesenheim eingezogen wurde. Schließlich wurde seine Einheit in den Osten versetzt, wobei er seine Arbeit zur Zufriedenheit seiner Vorgesetzten versah. Er wurde zunächst nur zu Bautätigkeiten herangezogen, so dass er keinen Dienst an der Waffe leisten musste.
Sobald er militärisch eingesetzt werden sollte, widersetzte er sich und erhielt mehrere Arreststrafen. Der militärische Einsatz war allmählich aber nicht mehr zu umgehen und so entschloss sich Ruschmann in Haslach bei seinem letzten Heimaturlaub den Wehrdienst zu verweigern. Er desertiert nicht sondern stellte sich in Berlin unter Angabe der Kriegsdienst-verweigerung aus religiösen Gründen.

Am 19.September 1942 steht er vor dem 3. Senat des Reichskriegsgerichtes und wird zum Tode verurteilt.

Am 17.Oktober 1942 stirbt Franz Ruschmann am Morgen um 5:06 Uhr unter dem Fallbeil im Zuchthaus Brandenburg an der Havel.

Seit 2010 erinnert in Haslach in der Hauptstraße 37 ein Stolperstein an die Standhaftigkeit von Franz Ruschmann.

Da er sich wegen seines Glaubens mit der Familie überworfen hatte, war sein Schicksal verschwiegen und schließlich vergessen worden. Erst im Sommer 2014 stieß die Enkelin einer Schwester von Franz Ruschmann auf unsere Recherchen. So wurde nach 72 Jahren Franz Ruschmann aus dem Vergessen in seine Familie zurückgeholt.

Sören Fuß
Stolpersteinprojekt Haslach im Kinzigtal

Moser, Ernst

Ernst Moser wurde am 19.10.1906 in Oberweier als erstes Kind des Zigarrenmeisters Leo Moser und seiner Ehefrau Auguste geboren. Die Familie zog um 1913 nach Haslach. Ernst Moser besuchte nach der Volksschule Haslach das Gymnasium in Offenburg. Dort erlebte er 1918 einen Fliegergangriff, der ihm sehr zusetzte. Seit dieser Zeit traten bei Ernst Moser erste epileptische Anfälle auf. Wegen der Risiken auf den täglichen Bahnfahrten beendete er den Schulbesuch und begann eine Lehre als Eisendreher bei der Hammerschmiede in Haslach. Im Laufe der Jahre nahmen seine Anfälle an Intensität zu und so kam er 1926 zum ersten Mal in die psychiatrische Klinik nach Freiburg, er wurde aber bald wieder nach Hause entlassen.

Die epileptischen Anfälle von Ernst Moser traten immer wieder auf und bereiteten seiner inzwischen verwitweten Mutter und seinen Geschwistern große Sorgen, auch weil Ernst inzwischen zu einem stattlichen Mann herangewachsen war. So wurde er am 29. Juli 1930 ärztlicherseits zur Behandlung in die Heilanstalt Illenau eingewiesen. Von dort kam er im gleichen Jahr in die Heil- und Pflegeanstalt nach Kork. Mehrfach wechselte sein Aufenthalt zwischen diesen beiden Kliniken.
Nachdem die Familie 1937 von der Rudolfstraße in die Steinacher Straße 9 umgezogen war, kam Ernst Moser am 27. April 1938 zur Behandlung in das Krankenhaus nach Emmendingen.
Über all die Jahre führte Ernst Moser ein Tagebuch, in dem er die lange Zeit in den Krankenhäusern festhielt.

Ende Juli 1940 erhielt die Familie Moser völlig unerwartet einen Brief der Landesanstalt Hartheim bei Linz:

Sehr geehrte Frau Moser!
In Erfüllung einer traurigen Pflicht müssen wir Ihnen zu unserem größten Bedauern mitteilen, dass Ihr Sohn Ernst Moser, der auf ministerielle Anordnung gemäß Weisung des Reichsverteidigungskommissars in unsere Anstalt verlegt wurde, unerwartet am 29.Juli 1940 infolge aufsteigender Infektion der Harnwege und Nierenbeckenvereiterung verstorben ist. Eine ärztliche Hilfe war leider nicht mehr möglich. Da jedoch bei der Art und der Schwere des Leidens Ihres Sohnes mit einer Besserung und damit auch mit einer Entlassung aus der Anstalt nicht mehr zu rechnen war, kann man seinen Tod, der ihn von seinem Leiden befreite und ihn vor einer lebenslänglichen Anstaltspflege bewahrte, nur als Erlösung für ihn ansehen; Möge Ihnen diese Gewissheit zum Troste gereichen.
Um einer möglichen Seuchengefahr, die jetzt während des Krieges besonders groß ist, vorzubeugen, musste der Verstorbene auf polizeiliche Anordnung hin sofort eingeäschert werden.
Zwei Sterbeurkunden, die Sie für eine etwaige Verlegung bei Behörden sorgfältig aufbewahren wollen, fügen wir bei.
Der Brief schließt mit der Schlussformel: Heil Hitler.

Die verzweifelte Mutter ahnte, dass die im Schreiben genannten Angaben nicht der Wahrheit entsprachen. Auch ein vorsichtiger Hinweis des damaligen Haslacher Stadtpfarrers Vetter gegenüber Frau Moser betätigten ihre Zweifel. Die volle Wahrheit hat Frau Moser aber bis zu ihrem Tod 1956 nie erfahren.

Erst im Jahre 2010 konnte recherchiert werden, dass in dem zynischen Beileidsschreiben Sterbeort und Sterbedatum zur Vertuschung der Ermordung fingiert waren. Durch die korrekten Angaben wäre deutlich geworden, dass der Tod vieler Patienten aus der gleichen Anstalt am gleichen Tag einen unnatürlichen Grund haben musste.

Die Wahrheit ist, Ernst Moser wurde am 15.Juli 1940 von der Heil- und Pflegeanstalt Emmendingen abgeholt und zusammen mit 75 weiteren Patienten mit den drei berüchtigten „Grauen Bussen“ in die Tötungsanstalt Grafeneck auf der Schwäbischen Alb gebracht. Dort wurden die Männer, Frauen und Kinder noch am gleichen Tag mit Kohlenmonoxyd ermordet. Nahe der Gaskammer wurden die Toten in drei mit Koks befeuerten Öfen verbrannt.

Ernst Moser, der über eine überdurchschnittliche Intelligenz verfügte, der von epileptischen Anfällen geplagt wurde, war zum Euthanasieopfer geworden.
Er war einer von 10 654 Menschen, die 1940 allein in Grafeneck für lebensunwert erklärt und ermordet wurden.

In der Steinacher Straße 9 in Haslach liegt seit 2010 ein Stolperstein zur Erinnerung an Ernst Moser.

Sören Fuß
Stolpersteinprojekt Haslach im Kinzigtal

Ausgegrenzt, verfolgt, vernichtet Foto: Stadtarchiv OG

Offenburg: Erinnerungen an die jüdische Gemeinde

A, 22. Oktober 1940 besiegelte die Deportation nach Gurs das Ende der jüdischen Gemeinde der Stadt. Aus Offenburg wurden rund 100 Menschen in der Turnhalle der Oberrealschule, dem heutigen Schiller-Gymnasium,
zusammengetrieben. Von dort mussten sie den Weg zum Bahnhof für die Fahrt nach Südfrankreich antreten. Die jüdischen Mitbürger und das Unrecht, das ihnen geschehen ist, sollen in Erinnerung behalten werden. Weiterlesen: OT_6.11.19_Ausstellung Salmen & Stadtanzeiger_6.11.19

Gedenkstätte Salmen, Offenburg

Offenburg: Von der Bühne zur Leinwand

Die junge Theaterakademie Offenburg unter Regisseur Paul Barone zeigt am Mittwoch, 13. November, 19 Uhr, im Salmen mit „Vision Demokratie“ sechs Kurzfilme über Demokratie in Geschichte und Gegenwart.
Die Stücke sind mit Schülern und deren Fachlehrern des Grimmmelshausengymnasiums und der Erich-Kästner- Realschule entstanden und sollen Basis für ein partizipatives Kulturarchiv sein. Weiterlesen: OT_6.11.19

Emmendingen-Simon-Veit-Haus

Emmendigen: „Das Judaskreuz“

Autorenlesung und Gespräch mit William Boehart: Der Roman „Das Judaskreuz“ spielt im Norden Deutschlands, überwiegend in Hamburg. Er greift ein Kapitel der deutschen Geschichte zwischen der Revolution 1848 und den ersten Jahren nach der Reichsgründung 1871 auf und ist als Kriminalgeschichte aufgebaut. Der Roman ist jedoch kein historischer Regionalkrimi, sondern thematisiert das Aufkommen des modernen Antisemitismus und im Gegenzug das geistige Erbe des Aufklärers Gotthold Ephraim Lessing.
Das Buch greift hochaktuelle Themen auf, es regt zum Nachdenken an und zur Auseinandersetzung mit dem sich immer stärker manifestierenden, gewaltbereiten Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft. Zugleich ist es aber auch eine Hommage an die Macht der Bücher.
Der 1947 in den USA geborene Autor William Boehart lebt seit 1975 in Deutschland. Nach dem Studium der Geschichte, Literatur und Philosophie in den USA und in Deutschland und der Promotion über Gotthold Ephraim Lessing arbeitete William Boehart mehr als 35 Jahre als Archivar und Historiker im Herzogtum Lauenburg. Er lebt heute in Mölln.

Dienstag, 5. November 2019, 19 Uhr
Mit William Boehart
Verein für jüdische Geschichte und Kultur Emmendingen e.V. in Kooperation: Jüdische Gemeinde Emmendingen K.d.ö.R.
Emmendingen, Simon-Veit-Haus, Kirchstraße 11, Teschemacher- Saal
Eintritt frei, Spenden erbeten

Weil, Sophie (geborene Bloch)

Sophie Bloch wurde am 31.12.1863 in Schmieheim als Tochter von Salomon Bloch und dessen Frau Lea (Lena/Helena) geborene Schnurmann geboren. Sophie Bloch zog mit ihren Eltern und mehreren Geschwistern nach Haslach in die 1877 erworbene Gastwirtschaft „Zum Löwen“.
1885 heiratete sie den Kaufmann Max Weil aus Lörrach. Das Ehepaar gründete ein Textilgeschäft und erwarb 1888 das Haus in der Hauptstraße 48 in Haslach. Drei Kinder wurden hier geboren: Julius Weil 1886, Lydia Weil 1888 und Hedwig Weil 1893.
Die Familie siedelte 1903 nach Straßburg um, von dort zogen sie nach dem 1. Weltkrieg nach Mannheim. Max Weil starb dort 1937.
Sophie Weil wurde am 22.10.1940 mit ihren drei Kindern und deren Ehepartnern nach Gurs deportiert.
Sophie Weil wurde 1942 über Drancy nach Auschwitz verschleppt, wo sie ermordet wurde. Dasselbe Schicksal hatte ihr Sohn Julius mit dessen Frau Else, geborene Feibelmann. Sophies Tochter Lydia kam ebenfalls in Auschwitz um, nachdem deren Mann Aaron Müller bereits im März 1942 in Portet sur Garonne gestorben war. Die dritte Tochter Hedwig konnte mit ihrem Mann Heinz Geggel über Marseille und Casablanca nach Kuba entkommen. Sie siedelten nach dem Krieg nach Kalifornien um.
In der Haslacher Hauptstraße 48 liegen die Stolpersteine für Sophie, Julius und Lydia Weil.

Sören Fuß
Stolpersteinprojekt Haslach im Kinzigtal