Emmendingen: Wechselausstellung „Die Tora ist Licht – Chanukka, das Lichterfest“

Die neue Wechselausstellung eröffnet pünktlich mit Beginn des achttägigen Chanukka-Festes und der Zündung der ersten von acht Kerzen am Abend.

Am 14. Dezember 2025 erinnern sich bei Sternenaufgang, dem jüdischen Datum des 25. Kislev, Jüdinnen und Juden weltweit an die Wiedereinweihung des Jerusalem Tempels im Jahre 164 v.d.Z.. Chanukka bedeutet auf Deutsch „Einweihung“. Mit einem kleinen Krüglein Olivenöl konnte der Dienst am siebenarmigen Leuchter, der immer brenndenden Menora, wieder eingerichtet werden. Wunderlicherweise reichte das Öl nicht nur für einen Tag, sondern speiste die Flammen der Menora acht Tage lang, bis neues, taugliches Olivenöl für den Dienst des Hohepriesters fertig gestellt wurde. Die Menora stand vor dem Allerheiligsten, in dem ursprünglich die Bundeslade mit den Gesetztestafeln aufbewahrt wurde. Die Tora, Hebräisch für „Lehre“ beinhaltet die fünf Bücher Moses und ist für religiöse Jüdinnen und Juden das Lebensgesetz an sich.

Das Exponat des Monats verbindet diese Gedanken von Tora und Licht.
Die Tora wird mit einem „Lebensbaum“ verglichen, auf den die zwei hebräischen Wörter „Ez Chajim“ und die Verzierung auf der Rückwand des Chanukkaleuchters hinweisen. In der Mitte unter dem Dienerlicht sind die beiden Gesetzestafeln mit zehn hebräischen Buchstaben in ihrem Zahlenwert zu sehen. Bereits vor 15 Jahren griffen Jugendliche des jüdischen Religionsunterrichtes diese Idee auf und gestalteten eine Seite des Emmendinger Geschichtsdreidels mit dem Baummotiv einer leuchtenden Torarolle.
Am Museumseingang begrüßt ein Chanukkaleuchter die BesucherInnen mit dem hebräischen Zitat aus den biblischen Sprüchen 6,23 „…denn eine Leuchte ist die Mizwa und die Tora ist Licht.“
Denn durch das aktive Zünden des Leuchters wird das Licht erst entfacht.
Um Lichter geht es auch in der Lichtinstallation im Museumsgarten und in der Ausstellung selbst. So wie die Lichter die Dunkelheit erhellen, so können auch wir in guter Gemeinschaft Licht in diese Welt bringen.

Am 14. Dezember 2025 zünden Groß und Klein das erste Licht am Chanukkaleuchter an. Jeden Abend wird ein neues Licht auf dem Leuchter hinzugefügt, bis schließlich am achten Tag alle Lichter brennen. Gebete und Lieder des Dankes umrahmen die feierliche Zündung.

Im Jüdischen Museum sind verschiedene Leuchtertypen ausgestellt. Beliebte vierseitige Spielkreisel (Dreidel) können angeschaut werden. Auch ölhaltige Speisen und Schokoladen-Chanukka-Gelt dürfen in der Ausstellung nicht fehlen, die bis zum 25. Februar 2026 zu sehenist.

Das Jüdische Museum Emmendingen ist Sonntag und Mittwoch von 14.00 Uhr bis 17.00 Uhr geöffnet. www.juedisches-museum-emmendingen.de
Geschlossen am 24. Dezember und am 31. Dezember 2025.

14. Dezember 2025 bis 25. Februar 2026
Jüdisches Museum Emmendingen
Schloßplatz 7, 79312 Emmendingen

Synagoge Emmendingen, Foto: M. Miklis

Emmendingen: „Kindheit im Danach“ – Zweitzeugengespräch mit Nicole Noa-Pink, Freiburg

Eine Veranstaltung zur Erinnerung an den 27. Januar 1945, an die Befreiung der letzten Gefangenen aus dem KZ Auschwitz.
Zum Internationalen Tag der Erinnerung an die Toten und die Überlebenden des nationalsozialistischen Völkermords an den Juden.

Wie ist es, als jüdisches Kind von Holocaustüberlebenden aufzuwachsen?
Noch dazu in Deutschland, im Land der Täter.
Wie prägt das Danach, nach der Schoa, die Kindheit und die Persönlichkeit?
Nicole Noa-Pink erzählt davon. Sie erzählt von ihren eigenen Eltern, Hanna und Peter Noah. Sie gewährt uns einen ganz persönlichen Einblick in ihr Elternhaus. 1955 in Böblingen geboren, in Freiburg und Karlsruhe aufgewachsen lebt sie zusammen mit Überlebenden, die der Vernichtung durch die Nationalsozialisten entgangen sind. Sie erzählt die Überlebensgeschichte ihrer Eltern, aber noch mehr erzählt sie davon, unter welchem Einfluss sie und ihre Geschwister lebten und wie sich die grauenhaften Erfahrungen ihrer Eltern auf sie selbst auswirkten und bis heute nachwirken.
Die ehemalige Lehrerin Nicole Noa-Pink ist seit 2020 die jüdische Vorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Freiburg e.V. (GCJZ). Von 2020 bis 2025 war sie die Lehrbeauftragte für Judentum an der Evangelischen Hochschule Freiburg.

Eintritt frei, Spenden erbeten. www.juedisches-museum-emmendingen.de
Der Zugang ist barrierefrei.

Sonntag, 18.01.2026
17:00 Uhr
Veranstaltungsraum der Synagoge
Landvogtei 11, 79312 Emmendingen

Emmendingen: Wechselausstellung „Ez Chajim Hi“

Neue Wechselausstellung im Jüdischen Museum Emmendingen vom 07.09.25 bis 30.11.2025
 
„EZ CHAJIM HI – Ein Baum des Lebens ist sie …“ (Sprüche 3,18) – Ein_Blick in die Kunst des Toraschmucks
 
Zum Motto des Europäischen Tags der Jüdischen Kultur, people of the book, startete am 7. September 2025 eine neue Wechselausstellung im Jüdischen Museum Emmendingen. Auch mit den hohen, jüdischen Feiertagen verliert das Thema nicht an Aktualität.
 
Die neue Wechselausstellung im Jüdischen Museum Emmendingen widmet sich der Kunst des Toraschmucks, der Tora, DEM Buch schlechthin – den fünf Büchern Mose, die auf eine Pergamentrolle geschrieben hinter dem Vorgang im Schrank der Synagoge stehen.
 
Tora bedeutet „Lehre“ oder „Weisung“. Sie steht im Zentrum jüdisch, religiösen Lebens und wird in der Liturgie mit einem Baum des Lebens verglichen. Die beiden Holzstäbe, auf die das Pergament mit den hebräischen Worten der Tora gerollt ist, heissen „Ezej Chajim – Bäume des Lebens“. Auf diese werden meist metallene Aufsetzer gesetzt, die oft die Form von Granatäpfeln haben und von Glöckchen geziert werden. Diese wie auch die Farbe des Toramantels und die Toraschilder erinnern an die Kleider des Hohepriesters im schon seit 2000 Jahren zerstörten Tempel in Jerusalem. Die Ausstellung zeigt weiter verzierte Wickelbänder, mit der die Torarolle unter dem Mantel gehalten wird. Die mit Namen und Geburtsdaten verzierten Bänder wurden bei der Renovierung der ehemaligen Synagoge in Bad Mingolsheim in einer Wandkammer auf der Frauenempore entdeckt. Die Synagoge ist heute ein Wohnhaus. Dieser Fund allein ist schon etwas besonderes.
 
Den Bogen zur Gegenwart spannen die Einladungskarten zur Bar und Bat Mizwa, sowohl von Jungen und Mädchen der heutigen Jüdischen Gemeinde Emmendingen, als auch von Urenkeln ehemaliger Emmendinger Juden, die vor den Nationalsozialisten flüchten mussten und heute in Israel leben. Ein T-Shirt der Familie Weiss, ehemals Schwarz, von September 2025 erinnert an den jährlichen Besuch der Nachfahren aus Israel. Es hängt auf einem Bügel des ehemaligen Warenhauses S. Knopf aus Freiburg.
 
Wie eng Vergangenheit und Gegenwart beieinander liegen wird hier spürbar.
 
Auch die Gesetze in der Tora sind nicht alt und fern, sondern sehr aktuell und werden mit der Installation von stilisierten Baumblättern im Museumsgarten in Erinnerung gerufen.
 
Die weisen und mahnenden Worte in den Bäumen leiten die BesucherInnen entlang des Pfades in die Ausstellung zu den liturgischen Gesängen des Rabbiners der Jüdischen Gemeinde Emmendingen, Rabbiner Yaakov Yosef Yudkowsky: „Ez Chajim hi!“

07.09.2025 bis 30.11.2025
Jüdisches Museum Emmendingen,
Schlossplatz 7, 79312 Emmendingen

Emmendingen: Lesung und Gespräch mit Anke Heimberg M.A., Berlin

„Das Sichere war unsicher geworden und das Unsichere allein sicher“
Victoria Wolff und ihr Roman „Gast in der Heimat“

Die Autorin, 1903 in Heilbronn geboren und seit 1933 selbst im Exil, zeigt in ihrem Roman auf, wie Propaganda, Ideologie und Fanatismus allmählich in den Alltag allen gesellschaftlichen Lebens eindringen – ein Prozess von erschreckender Aktualität. 1935 in Amsterdam erschienen, 1936 in NS-Deutschland indiziert und verboten, wurde der Roman erst 2021 neu aufgelegt.

Donnerstag, 6. November 2025
19:30 Uhr
Gemeindezentrum St. Bonifatius,
Markgraf-Jacob-Allee 2,
79312 Emmendingen

Emmendingen: Filmvorführung „Das Ungesagte“

Viele Deutsche, die das „Dritte Reich“ unterstützt hatten, schwiegen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges über ihre Erlebnisse. Das Thema blieb in den Familien ein Tabu. Die sehr ehrlichen Zeitzeugenaussagen darüber, wie sie die NS-Propaganda zunächst falsch eingeschätzt und als
etwas Positives empfunden hatten, um erst mit der Zeit den Schrecken zu erkennen, machen den Film zu einer Mahnung von größter Aktualität. Die Filmdokumentation lässt auch deutsch-jüdische Überlebende zu Wort kommen und vermittelt einen vielschichtigen Einblick in das kollektive Unbewusstsein Deutschlands und die Mechanismen der jahrzehntelangen Verdrängung.

Montag, 10.11.2025
19:00 Uhr
CineMaja,
Steinstraße 2/2, 79312 Emmendingen
Ticket: 11€

Emmendingen: Gedenken an die Zerstörung der Emmendinger Synagoge im Zuge des Novemberpogroms

Die Stadt Emmendingen, die Jüdische Gemeinde Emmendingen K.d.ö.R. und der Verein für jüdische Geschichte und Kultur Emmendingen e. V. laden dazu ein, der Zerstörung der Emmendinger Synagoge, der Verwüstung des Israelitischen Gemeindehauses und der beiden jüdischen Friedhöfe sowie der Deportation der männlichen jüdischen Bevölkerung ins KZ Dachau im Zuge des Novemberpogroms 1938 zu gedenken.
Mit musikalischer Umrahmung.

Montag, 10.11.2025
17:00 Uhr
Schlossplatz/Platz der ehemaligen Synagoge
Emmendingen

Emmendingen: Gedenkveranstaltung zum 85. Jahrestag der Deportation

Ehrenamtlich Aktive des Vereins für jüdische Geschichte und Kultur Emmendingen e.V. berichten über das historische Geschehen der Deportation und stellen exemplarisch das Schicksal dreier jüdischer Bürger*innen aus Emmendingen vor. Die Gedenkveranstaltung wird von Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde musikalisch umrahmt und schließt mit der Verlesung der Namen von 113 Deportierten mit Bezug zu Emmendingen.

Mittwoch, 29. Oktober 2025
19:30 Uhr
Teschemacher-Saal im Simon-Veit-Haus
Kirchstraße 11, 79312 Emmendingen
Eintritt frei – Spenden erbeten

Radtour zu den jüdischen Gedenkstätten zwischen Emmendingen und Breisach

Bei einer ganztägigen Radtour erkunden die Teilnehmenden Erinnerungsorte im Breisgau und Kaiserstuhl mit ihrer jüdischen Geschichte und ihren Erinnerungszeichen. Die Tour startet in Emmendingen am Schlossplatz 7 mit einer Führung durch den Lern- und Bildungsort Jüdisches Museum Emmendingen mit der restaurierten denkmalgeschützten Mikwe (Jüdisches Ritualbad). Vorbei an den Erinnerungszeichen in Eichstetten und Ihringen führt die Tour in die Europastadt Breisach. Nach der Mittagspause steht eine Führung durch die Gedenk- und Bildungsstätte für die Geschichte der Juden am Oberrhein auf dem Programm: Das Blaue Haus in der Rheintorstraße 3, der ehemaligen Judengasse. Das Programm klingt mit einer Kaffeepause im Garten des Blauen Hauses aus. Die Rückfahrt erfolgt nach Absprache individuell oder gemeinsam mit dem Rad oder dem ÖPNV (S1 Richtung Freiburg, S5 Richtung Riegel-Malterdingen).
Eine Kooperationsveranstaltung der vhs Nördlicher Breisgau mit dem Jüdischen Museum Emmendingen und dem Blauen Haus Breisach.

Zur Anmeldung bei der VHS Nördlicher Breisgau

Sonntag, 5. Oktober 2025 (Erstatztermin bei Schlechtwetter: 12. Oktober 2025)
09:30 Uhr
Jüdisches Museum Emmendingen,
Schlossplatz 7, 79312 Emmendingen
Teilnahmegebühr: 15€

Emmendingen: Europäischer Tag der jüdischen Kultur 2025

Auch in diesem Jahr beteiligen sich die Gedenkstätten des Gedenksättenverbund südlicher Oberrhein am Europäischen Tag der jüdischen Kultur, der in diesem Jahr unter dem Motto: „People of the Book“ steht.

Mit folgendem Programm beteiligt sich der Verein für jüdische Geschichte und Kultur Emmendingen und die jüdische Gemeinde Emmendingen in diesem Jahr:

11:00 bis 17:00 Uhr:
Gespräche rund um das Judentum
mit Vertreterinnen aus dem Vorstand, Delegierten des Oberrates der IRG Baden
und Gemeindemitgliedern
Simon-Veit-Haus, Kirchstraße 11

11:00 Uhr:
„Warum ist Tora-Lernen keine Ausbildung mit Abschlusszeugnis?“
Vortrag und Gespräch mit Rabbiner Yaakov Yosef Yudkowsky,
Jüdische Gemeinde Emmendingen K.d.ö.R.
Simon-Veit-Haus, Kirchstraße 11, Teschemacher-Saal

11:00 bis 18:00 Uhr:
Tag der offenen Tür im Jüdischen Museum Emmendingen
Wechselausstellung „Ein Baum des Lebens ist sie…“ – Ein_Blick in die Kunst des Toraschmucks
Führungen nach Bedarf, Einladung zu Gespräch und Austausch mit dem
Museumsteam, Büchertisch
Jüdisches Museum Emmendingen, Schlossplatz 7

12:00 Uhr:
„Ein Baum des Lebens ist sie denen, die an ihr festhalten, wer sich auf sie
stützt, ist beglückt“ – Ein Blick in die Kunst des Toraschmucks
Vortrag zur Wechselausstellung und Gespräch mit Monika Rachel Raija Miklis M.A.,
Kuratorin im Jüdischen Museum Emmendingen
Simon-Veit-Haus, Kirchstraße 11, Teschemacher-Saal

13:00 Uhr:
Führung durch die Synagoge
mit Gemeinderabbiner Yaakov Yosef Yudkowsky
(Bitte ein gültiges Ausweisdokument mitbringen)
Synagoge, Landvogtei 11

14:00 Uhr:
„Ein Baum des Lebens ist sie …“ – Ein_Blick in die Kunst des Toraschmucks
Führung durch die Wechselausstellung mit der Kuratorin
Monika Rachel Raija Miklis M.A.
Jüdisches Museum Emmendingen, Schlossplatz 7

15:00 Uhr:
Kurzführung zur jüdischen Geschichte der Stadt Emmendingen
mit Carola Grasse Dipl.-Päd. und Dorothea Scherle Dipl.-Theol.
Treffpunkt Schlossplatz/Platz der ehemaligen Synagoge

16:00 Uhr:
„Das Volk des Buches nach dem 7. Oktober“ – Literatur aus Israel nach
2023
Lizzie Doron, Dror Mishani, Ayelet Gundar-Goshen, Ron Leshem, Amir Tibon und Lee
Yaron dokumentieren in ihren Büchern eindringlich das Grauen der Terrorangriffe der
Hamas am 7. Oktober 2023 und der Zeit danach. Der 7. Oktober hat die Menschen
und Regionen im Nahen Osten grausam und unwiderrufl ich geprägt.
Vortrag und Gespräch mit Dr. med. Ursula Hellerich, Freiburg
Simon-Veit-Haus, Kirchstraße 11, Teschemacher-Saal

18.30 Uhr:
„König Salomons Nachtigallen“
Dieser Opernabend ist eine Hommage an große Komponisten und Sänger jüdischer
Herkunft. Im Programm erklingen Arien aus den Opern von Puccini, Bizet, Offenbach,
Leoncavallo, Mozart, Werke von Schubert, neapolitanische Lieder, jüdische geistliche
Musik.
Auf der Bühne Konstantin Andreiev, herausragender Tenor und Preisträger internatio-
naler Wettbewerbe, Gewinner des legendären „Operalia“-Wettbewerbs von Plácido
Domingo, am Klavier Konzertmeister Vladimir Tschumatschenko, Moderation des
Abends Larisa Lemer.
Altes Rathaus, Marktplatz 1, Bürgersaal

Zum Programmflyer:
ETJK 25 – DIN A3 RZ

Sonntag, 7. September 2025
ganztägig

Emmendingen: Wechselausstellung „Weg hier!?“

„Weg hier!“ Dieser Ausruf soll aufmerksam machen, aufrütteln, vielleicht sogar erschrecken.
Damals wie heute ist er aktuell. Weg von hier, aber wohin? Und warum? Freiwillig oder genötigt?Ein Ausruf, den jeder von uns sicher schon gehört oder selber gesprochen hat, als Kind beim Spiel, als Jugendlicher auf dem Schulhof, als Erwachsener mit Fernweh…
Diesen Ausruf vernahmen die Juden und Jüdinnen als Befehl durch die Jahrtausende, auch hier in Emmendingen im 20. Jahrhundert. Unerwünschtes Leben, das weggeschafft werden sollte, ob nach Dachau, Gurs oder Auschwitz..
Diesen Ausruf sprachen Juden selbst, ob in Moskau, Kiew oder Chisinau, als sie der Einladung der Bundesregierung folgten und Anfang der 90er Jahre nach Deutschland als sogenannte Kontingentflüchlinge einwanderten. Jüdisches Leben sollte nach der Schoa wieder gestärkt werden.

Eine Aktualität von Flucht und Vertreibung, von Wanderungen von einem Ort zum anderen, Bewegungen, freiwillig oder unfreiwillig, mit Koffer in der Hand oder gepackten Umzugskisten.
Es ist auch eine Frage, die sich Juden heute wieder stellen müssen, ob in Deutschland, in der Ukraine oder in Israel – Feindlichkeit ausgesetzt, Unsicherheit spürend: Bin ich hier noch sicher? An dem Ort, an dem ich lebe?

Diese Gedanken nehmen in der Ausstellung Form an: Exponate zum Pessach-Fest, dem Auszug der Israeliten aus Ägypten Richtung Kanaan, das dieses Jahr Mitte April gefeiert wird. Ungesäuerte Brote, Mazzot, erinnern an den eilfertigen Aufbruch aus der Sklaverei in die Freiheit. Die an den ersten beiden Abenden gelesene Haggada erzählt vom Auszug aus Ägypten durch gttliche Hand. Jüdische Kinderbücher zum Stöbern und Lesen laden ein, die Pessach Geschichte kennenzulernen.

Gegenstände von ehemaligen Emmendingen Jüdinnen und Juden führen durch Jahrzehnte von Flucht und Vertreibung:
Fotoalbum und Reisepass der 1938 in die USA ausgewanderten Marion Reet, geb. Baer, 1921, Taschentuchetui der Mutter und hebräische Bibel zur Erinnerung an die Israelitische Heimatgemeinde Emmendingen – Abschiedsgeschenke an Margot Heymann, geb. Weil, 1927, für den Kindertransport in die Schweiz im Jahre 1939 sowie Bescheinigungen der Bezirkssparkasse Emmendingen aus dem Jahre 1939 für den aus Dachau entlassenden Hugo Weil, geb. 1877, für die Auswanderung in die Schweiz. Seine Vorfahren waren die Mitbegründer der Israelitischen Gemeinde Emmendingen im Jahre 1716.

Mit der Wiedergründung der Jüdischen Gemeinde Emmendingen vor genau 30 Jahren wird ein neues Kapitel aufgeschlagen: die Einwanderung von Juden und Jüdinnen aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland. Hebräische Gebete in russischer Übersetzung zur Wohnungssuche neben Moldover Matroschka Püppchen erinnern an die erste Zeit in Emmendingen, die in dem Dokumentarfilm von Torsten Wenk „Ausgerechnet Deutschland – Jüdische Immigration nach Emmendingen“ (2004) festgehalten sind. Interviews mit Mitgliedern und Vorständen der Jüdischen Gemeinde heute können auf der Medienstation angesehen und angehört werden. Nun betreut die Gemeinde sogar selbst jüdische Flüchtlinge aus Kriegsgebieten.

Vom 2. April bis 31. August 2025
Jüdisches Museum Emmendingen
Schlossplatz 7,
79312 Emmendingen