Auerbacher, Inge

Inge Auerbacher, Foto: PrivatbesitzInge wurde am 31. Dezember 1934 in Kippenheim geboren und war das einzige Kind von Berthold und Regina Auer­bacher, einem gläubigen jüdischem Ehepaar, deren Familie bereits seit vielen Generationen in Deutschland lebte. Inges Vater war Soldat im Ersten Weltkrieg gewesen und hatte das Eiserne Kreuz verliehen bekommen.
 
Zur Zeit der Kristallnacht war Inge erst drei Jahre alt, aber ihre Erinnerungen daran sind immer noch sehr lebendig. Am 10. November 1938 wird ihr Großvater nach dem Mor­gengebet in der Synagoge verhaftet. Gemeinsam mit ihrem Vater wird er ins Konzentrationslager nach Dachau verbracht und einige Wochen später wieder entlassen. In dieser Nacht jedoch, wurden alle Fenster des Hauses zer­stört und die Synagoge stark beschädigt. Inges Familie ver­kaufte ihr Haus und zog 1939 zu den Großeltern nach Jebenhausen bei Göppingen.         
 
Wie fast alle württembergische Kinder musste die Sechsjährige die jüdische Schule in Stuttgart besuchen und jeden Tag eine einstündige Zugfahrt auf sich nehmen. Nach einem halben Jahr, mit Beginn der Deportationen wurde die Schule aufgelöst. Inge und ihre Eltern wurden 1942 nach Theresienstadt deportiert. Sie war mit ihren sieben Jahren die Jüngste der über 1200 Gefangenen und ihr Leben glich einem Albtraum. Tod, Hunger und Angst waren ihre ständigen Begleiter. Sie erzählt davon in ihrer Biographie „Ich bin ein Stern“.

Am 8. Mai 1945 kam die Befreiung durch die russische Armee. Inge gehörte zu dem einen Prozent der überlebenden Kinder des Lagers. Auch ihre Eltern hatten überlebt. Die Familie kehrte nach Jebenhausen zurück und erfuhr vom Tod der meisten Verwandten ihrer großen Familie.
 
Im Mai 1946 emigrierten die Auerbachers nach New York. Die Jahre der Unterernährung hatten Inges Gesundheit nachhaltig geschadet und sie musste zwei Jahre im Krankenhaus verbringen.
 
Noch heute lebt sie in New York und arbeitete dort 38 Jahre lang als Chemikerin. Inzwischen hat sie vier Bücher geschrieben. Auch hält sie viele Vorträge an Schulen gegen das Vergessen. Für ihre Arbeit erhielt sie inzwischen viele Preise, wie z.B. die Ellis Island Medal of Honour (1999), auch den Ehrendoktortitel und sie war unter den ersten, die in die New York City Hall of Fame gekommen sind. Ihr Heimatdorf Kippenheim lobte den Inge-Auer­bacher-Preis aus, der an Studenten und Institutionen vergeben wird, die sich für Toleranz und Menschenrechte einsetzen.

 

Evelyn Wegmann
von der Grund- und Hauptschule Kippenheim

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