Hammel, Mina (geb. Machol)

Foto: Staataarchiv FreiburgMina Hammel wurde am 1.7.1883 in Efringen-Kirchen als eines von insgesamt elf Kindern des Ehepaars Moses und Rosalie Bloch geboren. Ihr Vater war ein angesehener Handelsmann und Mitglied im Synagogenrat. Über ihre frühe Kindheit ist nichts bekannt.

Am 26.7.1908 heiratete sie  Simon Hammel, der damals als Viehhändler tätig war. Die Familie wohnte anfangs in Neufreistett, wo Simon von Geburt an lebte und wo ihre erste Tochter Gertrud am 16.3.1909 zur Welt kam. Ihre zweite Tochter Liselotte Nanette wurde am 1.1.1919 in Baden-Baden geboren. Zwischenzeitlich wohnte die Familie in Renchen, wo Simon Hammel seinen Viehhandel betrieb. Am 30.3.1928 siedelte die Familie nach Offenburg über, in die Hermannstraße. 20. Dreieinhalb Jahre später zog sie in eine Vierzimmerwohnung in der Sofienstraße 3, in die Nähe des heutigen Schillergymnasiums. Für eine gewisse Zeit lebte Mina alleine mit ihrer Tochter Gertrud in Offenburg, da ihr Ehemann zu ihrer schwangeren Tochter Liselotte nach München zog, um die Unverheiratete dort zu unterstützen. Nach der Geburt seines Enkelkindes Judis am 2.2.1940 kehrte er zu seiner Frau nach Offenburg zurück.

Kurz darauf, am 22.10.1940, wurden Mina und Simon Hammel zusammen mit circa 6500 anderen Juden aus ganz Baden nach Gurs, Südfrankreich deportiert. Nachdem ihr Ehemann in diesem Lager verstorben war, wurde Mina am 15.03.1942 in das Lager von Rivesaltes, welches ebenfalls in Südfrankreich liegt, verlegt. Von dort wurde sie entlassen und lebte fortan illegal in Frankreich. Welche Tätigkeiten Mina in den nächsten vier Jahren verfolgte und auch ihr(e)  Wohnort/(e) müssen im Dunkeln der Geschichte bleiben,  jedoch ist bekannt, dass sie „verdeckt“ leben musste. Am 6.7.1946 reiste Mina nach New York zu ihrer bereits im Jahre 1938 ausgewanderten Tochter Gertrud und deren Ehemann Paul Löwenthal. Die Drei lebten zusammen in Manhattan in der 508 West 166th Street von Gertruds Lohn, die in einer Fabrik arbeitete. Über die Einkünfte von Paul Löwenthal ist nichts bekannt. Von New York aus stellte Mina Hammel einen Antrag auf Wiedergutmachung für ihre von den Nazis ermordete Tochter Liselotte Nanette, die mit der Enkelin Judis ins Lager Izbica, Polen deportiert worden war und auf den 8.5.1945, den Tag der deutschen Kapitulation, für tot erklärt worden war. Das war sicherlich nicht ihr wirkliches Todesdatum, jedoch war dies ein übliches Verfahren, da man die echten Todesdaten nicht mehr herausfinden konnte. Mina Hammel wurde eine Gesamtentschädigung in Höhe von 10.239,87 DM zuerkannt. Der Betrag setzte sich aus der Kapitalentschädigung, der Rentennachzahlung und einer Witwenrente zusammen. Da die deutschen Behörden erst später von der Zahlung dieser Witwenrente erfuhren, wurden 3,774,53 DM zurückgefordert. Die Rückzahlungsforderung führte zu einem langen Rechtsstreit mit den deutschen Behörden. Am 22.03.1959 verstarb Mina Hammel in New York.

Luisa Bolgert
Gedenkbuch im Salmen (Offenburg), 2018/19

Print Friendly, PDF & Email