Adler, Jakob

Foto: Helena Bahr

Das Grab Jakob Adlers auf dem Offenburger Waldbachfriedhof

Jakob Adler wurde am 29.10.1867 in Grünstadt in der Pfalz als Sohn von Markus und Martha Adler geboren.
 
Am 05.07.1897 heiratete er Sophie Rotschild, mit der er vermutlich kurz danach nach Offenburg zog und in der Grabenalle 16, einem dreistöckigen Mietshaus wohnte, das heute noch steht.
Zusammen hatten sie zwei Kinder, Max (1898-1968) und Ida Adler (1901-1945).
 
Beruf
Jakob Adler, ein Mann von mittelgroßer Statur, war Kaufmann und besaß einen Laden für Manufakturwaren, der hauptsächlich Aussteuerartikel verkaufte. Sein Einkommen betrug bis 1933 ungefähr 2800 RM, was ein gesichertes  Einkommen war und seinen Kindern ermöglichte, die höhere Schule zu besuchen.

Auch wenn Jakob als alleiniger Inhaber des Manufakturladens im Handelsregister verzeichnet war, kümmerte sich seine Frau Sophie um den Verkauf und den Betrieb in den vier Tagen der Woche, in denen Jakob Adler auf Reisen war, um seine Kunden in Triberg, Freudenstadt, Schramberg, Furtwangen, Lahr und in der näheren Umgebung Offenburgs zu besuchen. Laut Wiedergutmachungsakte sank ab dem 01.04.1933 der Umsatz jedoch beträchtlich und am 29.03.1938 wurde die Firma handelsrechtlich gelöscht. Vermutlich musste er sie im Zuge der sogenannten „Arisierung“ aufgeben.
 
Engagement
1914 wurde Jakob bei der Synagogenwahl zu einem der drei Vorstandsmitglieder der Offenburger jüdischen Gemeinde gewählt.

Am 14. Januar 1920 wurde Jakob Adler zum Leiter der Kartenstelle in Offenburg ernannt, doch schon nach zwei Jahren, am 31. Dezember 1921, gab er das wieder auf.
 
Jakob war Mitglied des Zentralvereins  deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Der Verein wurde 1893 gegründet, um dem im Kaiserreich aufflammenden Antisemitismus zu begegnen. Der Zentralverein repräsentierte alle deutschen Juden, für die Judentum und Deutschtum keine Gegensätze, sondern eine untrennbare Einheit bildeten.
Mit über 72.000 Mitgliedern war es der größte säkulare Verband der deutschen Juden.
 
Verfolgung
Am 10.11.1938, dem Tag nach der Reichspogromnacht, wurde Jakob gemeinsam mit allen anderen männlichen Juden ab sechzehn Jahren aus Offenburg nach Dachau deportiert. Dort trug er die  Haftnummer 22444. Zuvor wurden die Juden zum Bahnhof gebracht und in Waggons geladen, währenddessen sie geschlagen, getreten und gedemütigt wurden. Der Zug durch Offenburg hielt alle paar Meter und die Juden mussten unter Zwang immer das gleiche Spottlied singen: „Muss i denn, muss i denn zum Städle `naus? …“

Am 27.12.1938 war der 71-jährige Jakob durch das Leben im KZ gesundheitlich angeschlagen und konnte sich nicht schnell genug zum Frühappell begeben.  Daraufhin wurde er von den Wachmännern zusammengeschlagen. Durch die Tortur fiel er auf eine Wasserleitung, die ihm den Kehlkopf eindrückte, woraufhin er verstarb. Das Lager in Dachau war kein Vernichtungslager, sondern diente der Unterbringung der „Schutzhäftlinge“ mit dem Ziel, dass die Gefangenen nach der Freilassung auswanderten. Somit gab es dort kaum Tote.

Doch Jakob Adler war der erste Offenburger Jude, der im Namen des Nationalsozialismus ermordet wurde.

Seine Leiche wurde auf Kosten der Familie in einem plombierten Sarg nach Offenburg gebracht und liegt heute noch auf dem jüdischen Teil des Waldbachfriedhofes begraben.
 
 
Helena Bahr
Gedenkbuch im Salmen (Offenburg), 2013/2014

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