Maier, Arthur und Ima (geb. Beck)

Foto: Staatsarchiv FreiburgArthur Maier wurde am 29. Oktober 1899 geboren. Er wuchs zusammen mit seinen Eltern Friedrich und Maria Maier in Offenburg auf. Mit 29 Jahren, am 12.06.1928, bezog er eine Wohnung in der Okenstraße 59. Keine zwei Jahre später wechselte er in die Grimmelshausenstraße 20, wenig später in die Lange Straße 52. Dort wohnte er bis 1934, ein Jahr nachdem die nationalsozialistische Regierung am 1. April 1933 zum Boykott jüdischer Geschäfte aufgerufen hatte. Zwar wissen wir, dass ein großer Teil der Offenburger Solidarität zeigte, aber wie Arthur Maier seinen Beruf als Vertreter für Zigarren und Lebensmittel weiter ausüben konnte, ist nicht dokumentiert.
 
Am 2. Mai 1934 heiratete Arthur Maier die gebürtige Mainzerin Irma Rosa Beck. Zusammen mit ihr zog er drei Tage später in die Hermannstraße 12, doch am 1. Juli zog Arthur aus ungeklärten Gründen in die Grimmelshausenstr. 8 und Irma in die Okenstr. 5 um. Erst auf den 1. Oktober 1935 konnte Irma Rosa wieder zu ihrem Mann ziehen.
 
Foto: Staatsarchiv FreiburgMit Inkrafttreten der Nürnberger Gesetze, am 15. September 1935, verschlechtert sich die Situation der Juden in Deutschland entscheidend. Sie definierten Juden nicht als Angehörige der jüdischen Religion, sondern als „Rasse“ und entzogen ihnen die Reichsbürgerschaft.
 
Auch die sogenannte Reichskristallnacht am 09/ 10.11.1938 muss sie zutiefst erschüttert haben. Im ganzen Land brannten die Synagogen. Auch in Offenburg wurde die Synagoge im Salmen zerstört. Alle männlichen Juden ab 16 Jahren wurden verhaftet, in einem 90minütigen Horrormarsch von Rathaus bis zum Bahnhof getrieben und in den Zug nach Dachau gesperrt, wo sie eingepfercht vier Nächte und drei Tage verbrachten. Arthur Maier wurde am 11.11.1938 nach Dachau deportiert, kam aber schon nach einigen Wochen, am 22.12.1938, wieder nach Offenburg zurück.
 
Auf den 1. August 1939 bezog das Ehepaar Maier eine Wohnung in der Schanzstraße 7. Dort wohnten sie noch ein Jahr zusammen, bevor am 22. Oktober 1940 die zweite große Deportation erfolgte. Alle Offenburger Juden wurden jetzt im Schillersaal versammelt und von dort bis zum Bahnhof getrieben. Auf dem Weg dorthin wurden sie geschlagen und verhöhnt. Man zwang sie, laut zu singen: „Muss I denn, muss i denn zum Städtele hinaus“. Vom Bahnhof wurden sie dann nach Gurs in Südfrankreich deportiert.
 
Den Quellen konnte ich entnehmen, dass das Ehepaar Maier jedoch nach Mainz und nicht nach Gurs deportiert wurde. Eine Anfrage im Stadtarchiv Mainz ergab, dass die Meldekarte von beiden dort nicht mehr vorhanden sei. Ich konnte also nicht heraus-finden, wo Arthur und Irma die nächsten vier Monate verbrachten. Aus der neuen Datenbank von Yad Vashem erhielt ich die Information, dass Arthur am 22.02.1941 von Darmstadt (Nähe Mainz) nach Theresienstadt deportiert wurde und dort am 14. 09.1943, im Alter von noch nicht einmal 44 Jahren, starb. Ob er ermordet wurde oder an Krankheit und Entkräftung starb, muss offen bleiben.
 
Wahrscheinlich ist Irma Maier mit demselben Transport nach Theresienstadt deportiert worden. Sie gilt als verschollen.
 

Magalena Stockinger
Gedenkbuch im Salmen (Offenburg), 2005

 
 
 
Quellen:
Jüdische Stimmen, Martin Ruch
Adressbuch der Kreisstadt OG-1935, StAOG Antwortschreiben des Stadtarchivs Mainz Datenbank Yad Vashem

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