Lion, Karl und Johanna (geb. Sommer)

Foto: Staatrsarchiv FreiburgKarl Lion wurde am 10.01.1879 in Ettenheim geboren. Seine Eltern waren Esther Lion, geb. Kahn, und Jonas Lion, der ein kleines Textilgeschäft besaß. Das Ehepaar hatte acht Kinder.
Karls Ehefrau, Johanna Lion, geborene Sommer, stammte aus Freiburg, wo sie am 16.12.1899 geboren wurde.
Beide waren jüdischer Abstammung und besaßen die Badische Staatsangehörigkeit.

Karl und Johanna heirateten am 19.02.1920 in Baden-Baden. Noch am selben Tag zog Karl nach Offenburg. Johanna folgte ihm knapp einen Monat später aus Freiburg und sie bezogen gemeinsam eine Wohnung in der Bühlerstraße 19. Am 12.11.1920 wurde ihr Sohn Hans Max Friedrich geboren,  am 4.2.1922 ihre Tochter Edith Trude.

Foto: Staatrsarchiv FreiburgKarl Lion war Fabrikant und Mitbesitzer der Zigarrenfabrik „Ullmann & Fetterer“. Die Geschäftsräume lagen in der Okenstraße 101 in Offenburg. Die Fabrik fuhr innerhalb der nächsten Jahre hohe Verluste ein, so dass Karl Lion in den Jahren 1929-1933 bei der Deutschen Bank und der Städtischen Sparkasse in Offenburg stark verschuldet war.
Zur Vermeidung einer Zwangsversteigerung musste Karl sämtliche Sicherheiten und Grundstücke verkaufen. Trotzdem blieb der Deutschen Bank ein erheblicher Ausfall. Die Zigarrenfabrik Karl Lions und seines Partners Max Lion wurde an die Firma „Boos“ verkauft. Die Familie lebte währenddessen seit 1927 in der Franz-Volk-Straße 45, wo sich auch die Stolpersteine des Ehepaars befinden.
Johanna Lion war Hausfrau und kümmerte sich um die Kinder. 1938 sorgte sie dafür, dass ihr Sohn Hans, mittlerweile 18 Jahre alt, nach Nordamerika auswandern durfte. Dies wurde dem Jungen zunächst bewilligt, da keine Steuerrückstände beim Finanzamt Offenburg vorhanden waren und somit keine steuerlichen Bedenken gegen eine Auswanderung ins Ausland bestanden. Hans sollte die Wartezeit bis zu seiner Reise in Frankreich verbringen. Viele Offenburger Juden versuchten während dieser Zeit das Land zu verlassen, da sie vor der Unterdrückung und der Entrechtung der Juden fliehen wollten. Jedoch kam es nie zu der Auswanderung von Hans Max Friedrich Lion. Gründe dafür sind nicht bekannt.

Am 23.02.1939 zogen die Lions in die Gaswerkstraße 17, eins der „Judenhäuser“ in Offenburg. Dort lebten sie unter einem Dach mit den jüdischen Familien Geismar, Grombacher und Hammel. Mietverträge der Bewohner von „Judenhäusern“ konnten jederzeit mit der gesetzlichen Frist gekündigt werden. Auf Verlangen der Gemeindebehörde mussten die Bewohner von „Judenhäusern“ oftmals weitere Juden als Mieter oder Untermieter aufnehmen. Das führte dazu, dass beliebig viele Personen auf engstem Wohnraum zusammen leben mussten und das meist gegen ihren Willen.

Am 22. Oktober 1940 wurden die Lions zusammen mit 4464 anderen badischen Juden, was  so gut wie alle waren, ins „Camp de Gurs“, ein Internierungslager in der französischen Ortschaft Gurs, deportiert. Dort mussten die „Gefangenen“ auf Strohsäcken schlafen, wobei ihnen in den Baracken ein 70 cm breiter Raum zur Verfügung stand. Die „Gefangenen“ wurden oft von ihren Familien getrennt, sie hungerten und schlechte hygienische Bedingungen sowie Krankheiten gehörten zum Alltag im Lager. Die Lions überlebten den dortigen Aufenthalt und wurden dann in das Sammel- und Durchgangslager Drancy gebracht, nordöstlich von Paris.

Am 06.03.1943 wurden sie in das Konzentrationslager Majdanek in Polen deportiert.
Majdanek wird aufgrund seiner hohen Opferzahlen auch als Vernichtungslager bezeichnet. Es gab dort eine Gaskammer und es kam zu Massenvernichtungen durch Erschießen. Dennoch wird heute vermutet, dass 60 Prozent der Opfer durch Zwangsarbeit, schlechte Behandlung und Krankheit umkamen und nicht gezielt ermordet wurden.

Alle Mitglieder der Familie Lion kamen in der NS-Zeit um, Karl Lion wurde am 08.05.1945 „im Osten“ für tot erklärt. 
 

Nasanin ShahrokhiRad und Julia Brendel
Gedenkbuch im Salmen(Offenburg), 2010/11

Print Friendly, PDF & Email