Grombacher, Bella und Karl

Karl Grombacher wurde am 2. Juli 1895 als erster Sohn des Kaufmanns Max Grombacher und seiner Ehefrau Karoline geboren. Die Familie, zu der noch sein jüngerer Bruder Friedrich gehörte, lebte von 1895 bis 1920 in Straßburg.

1920 mussten die Grombachers Straßburg verlassen, da die dort noch wohnenden Deutschen in den Augen der Franzosen so kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges als „feindliche Elemente“ galten. Ab dem 11. April 1920 wohnte er mit seinen Eltern und dem Bruder in der Offenburger Hauptstraße 44. Karl, gelernter Kaufmann wie sein Vater, arbeitete als Textilwarenvertreter.

Hier in Offenburg lernte er Isabella Hausmann kennen, die am 4. Juli 1894 im hessischen Wachenheim geboren worden war und mit ihren Eltern Leopold und Hermine, geborene Michel, bis 1921 in Worms gelebt hatte. Karl und Isabella, die allgemein nur Bella gerufen wurde, heirateten am 29. September 1921. Zwei Tage vor der Hochzeit zogen sie in die Gerwigstraße 3 und knapp 1 ½ Jahre später wurde als ihr einziges Kind Sohn Kurt am 23. Oktober 1922 in der Franz-Volk-Straße 45 geboren. Am 1. August 1927 zogen die Grombachers in das Haus im Philosophenweg 20, wo auch Karls Vater Max wohnte.

Schon gleich nach der Machtübernahme der Nazis hatte Karl Grombacher mit Existenzschwierigkeiten zu kämpfen. Um den Einschränkungen und Verfolgungen der neuen Machthaber zu entgehen -man entzog ihm die Vertretung seiner Firma-, begab er sich Ende März 1933 ins elsässische Sèlestat (Schlettstadt) und schlug sich von da an mit Gelegenheitsarbeiten bis zum Kriegsausbruch 1939 durch.

Warum Bella mit dem Sohn in Offenburg blieb anstatt dem Ehemann ins Elsass zu folgen, lässt sich leider nicht mehr ergründen. Ebenso muss unklar bleiben, ob Karl ihr für den Unterhalt Geld zukommen ließ oder ob sie und Sohn Kurt Unterstützung von ihren oder seinen Eltern bekamen. In den Folgejahren jedenfalls zog Bella mehrfach um, etwa im Jahr 1936 nach Ettlingen, kehrte aber von dort nach nur drei Monaten wieder nach Offenburg zurück. Hier stand sie nicht nur in einem regen Briefwechsel mit ihrem Schwager Friedrich, sondern erhielt auch von ihm, der schon länger im Elsass lebte uns seinen Namen in Frédérik geändert hatte, Lebensmittelpakete zugeschickt. Als sie Anfang Mai 1940 nach Walldorf bei Wiesloch verzog, stellte sie ihre Möbel bei einem Spediteur in Offenburg unter wohl in der Hoffnung, ihrem Ehemann doch noch irgendwann nach Frankreich folgen zu können.

Dazu kann es jedoch nicht mehr: Am berüchtigten 22. Oktober 1940 wurde sie wie alle anderen badischen Juden zusammen mit Kurt ins Lager Gurs deportiert. Über das Sammellager Drancy bei Paris wurden Mutter und Sohn am 14. August 1942 ins KZ Auschwitz verbracht, wo sich ihre Spuren verlieren. Wahrscheinlich wurden beide direkt nach der Ankunft ermordet. Zehn Jahre später setzte das Amtsgericht Offenburg den Tag der Deportation nach Auschwitz als ihren offiziellen Todestag fest.

Ein besseres Schicksal hingegen war dem Ehemann Karl beschieden. Zwar wurde er als feindlicher Ausländer von den Franzosen bei Kriegsbeginn 1940 interniert, kam aber durch seine freiwillige Meldung zur Fremdenlegion frei, u. a. war er in Algerien stationiert. Von 1941 bis 1949 arbeitete er hier als Buchhalter in einer Kohlegrube und kehrte 1950 nach Straßburg zurück. Im November dieses Jahres stellte er einen Antrag auf Haftentschädigung für seine Frau und seinen Sohn. Nach 8 Jahren erhielt er schließlich eine Entschädigung für „Schaden an Freiheit“ seiner Frau von 3300 DM. Für seinen Sohn erhielt er nichts, da er, Karl, als Erwachsener einer Waisenrente „ nicht mehr bedürftig“ sei, wie es in den amtlichen Unterlagen hieß.

Leonie Marie Oßwald
Gedenkbuch im Salmen (Offenburg), 2016/17

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