Weil, Elsa

Elsa wurde am 24. August 1882 in Bayreuth als Tochter des Kaufmanns Arnold Westheimer und seiner Frau Hannchen geboren. Sie hatte einen Bruder namens Max. Elsa heiratete den Schmieheimer Kaufmann Louis Weil, der in Offenburg eine Weingroßhandlung betrieb. Das Paar bekam am 13. Juli 1905 mit Sohn Stefan ihr einziges Kind.

Ab 1932 wohnten die Weils in der Straßburgerstraße 3 in Offenburg. Vor Januar 1933 lebte die Familie in wirtschaftlich gesicherten Verhältnissen. Schon kurze Zeit nach der „Machtübernahme“ der Nazis ging es mit der Firma des Ehemanns jedoch stark bergab, da der jüdische Weinhändler in der Kleinstadt Offenburg sehr bekannt war und die antisemitische Propaganda der Nazis ihre Wirkung entfaltete.

Als Louis im Februar 1935 eines natürlichen Todes starb, übernahm Elsa für kurze Zeit selbst den Betrieb, verkaufte die Firma allerdings schon im Herbst desselben Jahres. Auch musste sie sich in Freiburg einer Magenoperation unterziehen, von der sie sich aber schnell erholte. Nach dem Tod ihres Ehemanns und der Aufgabe der Firma hatte Elsa große Geldprobleme, da sich ihr Sohn in der Heil- und Pflegeanstalt Illenau befand und sie für seine Aufenthaltskosten monatlich einen Betrag von 100 Reichsmark zahlen musste. Elsa war also auf finanzielle Unterstützung, welche sie von ihrem Bruder Max bekam, angewiesen.

Im Mai 1939, inzwischen in Finanznot, musste Elsa ihr Grundstück samt Haus verkaufen. Sie bekam dafür lediglich 27 000 Reichsmark, was nicht im Geringsten dem wahren Wert des Grundstücks entsprach.

Am 22. Oktober 1940 wurden Elsa und ihre damals 83-jährige Mutter Hannchen verhaftet und zusammen mit allen badischen Juden in das berüchtigte Camp de Gurs nach Südfrankreich deportiert. Sie mussten ihr ganzes Eigentum zurücklassen, auch durften sie keine Familienangehörige über die Verhaftung informieren. Für den Notfall hatte Elsa rund 5000 Mark in ihrem Handkoffer versteckt. Das Geld wurde jedoch von einem der Nazimänner entdeckt, der es ihnen mit dem Kommentar: „Ihr Saujuden stinkt ja vor Geld“ abnahm.

1941 wurde Elsa von Gurs in ein weiteres Pyrenäenlager, nach Récébédou, gebracht. Im selben Jahr am 27. Mai töteten die Nazis ihren Sohn Stefan im polnischen Ghetto Cholm, wohin er von der Illenau transportiert worden war. Elsa hingegen wurde von Récébédou 1942 in das Camp de Noé in der Nähe von Toulouse im Département Haute-Garonne gebracht, wo sie sich bis zum Jahre 1943 befand. Dort starb ihre alte Mutter. Während der Lagerhaft brach bei Elsa durch die schlechte Ernährung und die menschenunwürdige Unterbringung das alte Magenleiden wieder auf. Deshalb wurde sie in ein Hospiz in St. Rambert sur Loire und von da in das Hotel Terminus in Béziers überstellt, wo sie das Kriegsende erlebte. Bis zu ihrem Tod war Elsa durch Verfolgung und Haft traumatisiert und hatte neben ihrem Magenleiden Depressionen und andere psychische Störungen.

1946 wanderte sie in die USA zu ihrem Bruder Max aus, der in seiner neuen Heimat seinen Namen von „Westheimer“ in „West“ verkürzt hatte. Er beschrieb seine Schwester, als er sie nach Jahren wiedersah, als „körperlich und seelisch gebrochene, abgemagerte und abgehärmte Frau“.

Seit den frühen 1950er Jahren versuchte Elsa für die lange Haftzeit und für ihr verlorenes Vermögen von der Bundesrepublik Deutschland eine Entschädigung zu bekommen. Schließlich erhielt sie eine kleine Rente und mehrere Einmalzahlungen, allerdings keine Wiedergutmachung für die von den Nazis ruinierte Firma ihres Mannes.

Chiara Merkel
Gedenkbuch im Salmen (Offenburg), 2017/18

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